Zum fünfzigsten Todestag von Gustaf Gründgens

 

Für viele ist er ein unerreichbares Genie des Theaters, doch bleibt er wegen seiner Rolle im Nazi-Deutschland auch heftig umstritten. Der Theaterstar Gustaf Gründgens starb unerwartet in der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober 1963.

Gründgens wurde am 22. Dezember 1899 in Düsseldorf geboren, wo er auch seine Schulzeit verbrachte und eine kaufmännische Lehre absolvierte. Erste Erfahrungen mit dem Bühnenleben machte er während des ersten. Weltkriegs am Fronttheater Saarlouis. Seine schauspielerische Ausbildung bekam er 1919/1920 bei Louise Dumont und Gustav Lindemann auf der Hochschule für Bühnenkunst in Düsseldorf. Beide bescheinigten ihm „ein ungewöhnliches Talent für die sinnfällige Ausformung der seelischen Struktur problematischer Naturen" und hielten ihn für fähig „das ganze Gebiet kompliziertester Charakterrollen in der klassischen dramatischen Literatur" auszufüllen.

Sein Weg führte ihn unter anderem über Hamburg 1928 nach Berlin zu Max Reinhardt ans Deutsche Theater, wo er auch selbst Regie führte und in Kabarett-Revuen mitwirkte. Vor allem Schurkenrollen, arrogante Snobs oder neurotische Typen musste er spielen.

Schon bald hatte der homosexuelle Gründgens, der zwischenzeitlich mit Erika Mann verheiratet war, davon genug und ging 1932 ans Preußische Staatstheater Berlin. Seine erste Rolle dort war die, für die sein Name auch 50 Jahre nach dem Tod vor allem steht: Die des Mephistopheles in Goethes Faust, den er gut 600 Mal verkörperte und der die Rolle seines Lebens wurde. Unvergesslich das weiß geschminkte Gesicht, die blutroten Lippen und die unmenschlich geraden Augenbrauen.

Gründgens blieb in Deutschland, auch als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen. In Hermann Göring, dem damaligen preußischen MInisterpräsidenten fand Gründgens einen Gönner und Förderer. Der sorgte auch dafür, dass er 1934 Generalintendant des Preußischen Staatstheaters wurde. Noch im selben Jahr zog er in die Villa eines jüdischen Bankiers, der emigriert war. 1936 heiratete Gründgens die beliebte Schauspielerin Marianne Hoppe. Mit einem Jahreseinkommen von 200.000 Reichsmark war sein Aufstieg im Nazideutschland kometenhaft. Zu seinen Glanzrollen zählt auch die Hamlet-Inszenierung von 1936, die bei den Nazi-Größen für Unmut und Aufregung sorgte.

„Ich habe keine Lust am Manne .... und am Weibe auch nicht", schleuderte Gründgens als Hamlet seinem Berliner Publikum entgegen. Und er sprach in seiner Rolle auch Sätze wie „Die Zeit ist aus den Fugen" oder auch „Dänemark ist ein Gefängnis". Aus Angst vor einer Verhaftung ging der Theatermann für eine Weile in die Schweiz, kehrte aber bald wieder zurück nach Berlin wo ihn Göring zum Preußischen Staatsrat beförderte. Als Generalintendant versuchte Gründgens aus seinem Theater eine Insel im braunen Sumpf zu machen. Die ärgsten Hetzstücke konnte er aus dem Spielplan halten, vielen bedrohten Mitarbeitern half er, indem er sie in Arbeit hielt oder vor Gefängnis und Schlimmerem bewahrte. Dafür wurde er als kultureller Repräsentant der Nationalsozialisten auf Festlichkeiten und Partys herumgereicht.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Gründgens mehrere Monate in einem russischen Kriegsgefangenenlager inhaftiert, doch schon im Mai 1946 spielte er seine erste Rolle im Nachkriegsdeutschland, den Snob im gleichnamigen Stück von Carl Sternheim. 1947 übernahm er in seiner Heimatstadt Düsseldorf die Leitung des Schauspielhauses, das er wieder zu einer der großen Bühnen Deutschlands machte. 1955 ging er nach Hamburg, um auch dort große Triumphe zu feiern. Mit seiner Hamburger Faust-Inszenierung war er sogar in New York und Moskau auf den dortigen großen Theaterbühnen zu erleben.

Im Sommer 1963 gab er die Intendanz auf und startete eine Weltreise, von der er nicht mehr lebend zurück kehrte. Er starb in der Nacht auf den 7. Oktober 1963 in der philippinischen Hauptstadt Manila. Begraben ist der große Bühnenmann übrigens auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg. Er selbst hatte einmal über seine Erfolgszeit im Nazi-Deutschland erklärte: „Die Unsicherheit, in der wir alle lebten, ließ uns die Bühne als den einzig sicheren Faktor erscheinen." In Düsseldorf erinnert nicht nur der Gustaf Gründgens Platz an den großen Mimen, sondern auch eine Mephisto-Skulptur des Bildhauers Peter Rübsam ganz nah am Theater, in der von dem Schauspieler selbst nur das Gesicht schemenhaft zu erkennen ist.