Er war eine Säule im „Ro-Ro-Theater“

Der große kulturpolitische Schnitt am Gelsenkirchener Stadttheater fand zur Saison 1966/67 statt. Das Schauspiel wurde auf Beschluss des Rates aufgelöst, fortan sollte die Oper (nebst Ballett) im Fokus stehen. Dafür erfand Prof. Günter Roth, damals 41 Jahre alt, als Nachfolger von Sprechtheater-Intendant Hans Hinrich neuer Chef des Institutes, den Begriff „Musiktheater im Revier“ – ein Versprechen auf die Zukunft und ein Markenzeichen. Roth kam vom Essener Theater (Operndirektor), zugleich war er Leiter des Operninstituts an der Folkwang-Hochschule.

Roth dachte in seinen meist überragenden, die Musik niemals beeinträchtigenden Inszenierungen konservativ, gründlich, menschlich. Er befragte in seinen Aufführungen wie Krieg und Frieden (Prokofjew – als „Modellinszenierung“ 1969 gefeiert), Gershwins Porgy and Bess („eine Sensation“, 1971), Strauss´ Ariadne auf Naxos, Salome und Rosenkavalier sowie Debussys Pelleas und Melisande (1971) Charaktere und existenzielle Situationen mit Neid, Gier, Sehnsucht, Glück, Verzweiflung und Hoffnung. Zusammen mit seinem wichtigen Ausstatter Otto-Werner Meyer bildete Roth einen Glücksfall. Sie füllten die 1959 von Werner Ruhnau gebaute Glasarchitektur mit starkem künstlerischem Leben.

Mit seinem Musikchef Dr. Ljubomir Romansky besaß Roth einen kompetenten GMD. Das Führungsduo widmete sich nicht nur den Repertoire-Klassikern, sondern setzte deutlich auf das zeitgenössische Opernschaffen (Hindemith, Klebe, Henze, Fortner, Egk). Das brachte dem „Ro-Ro“-Theater (Ro-th und Ro-mansky) internationale Anerkennung ein. Roth hatte auch das Glück, überragende Solisten ins Revier holen zu können – von Ursula Schröder-Feinen bis Anna Green, von Werner Hollweg bis Günter Reich, von Karin Zelles bis Manfred Schenk oder Harald Stamm. Roths persönliche Bilanz: „Das waren für mich, für uns glückliche Jahre.“

In die fünfjährige „Ära Roth“ fiel auch die erste Kooperation zwischen dem Musiktheater im Revier und dem Bochumer Schauspielhaus (unter Hans Schalla), die vom Publikum eher zögerlich akzeptiert wurde.

Roth wechselte 1971 als Generalintendant an das Staatstheater in seiner Heimatstadt Hannover, wo er seinen Stil und sein Opernverständnis fortsetzen konnte. 1979/80 schied er nach erfolgreicher Arbeit aus, aber die Regie blieb seine Verpflichtung. Er inszenierte an fast allen großen Häusern und übernahm auch die Leitung von sommerlichen Open-Air-Festspielen. Roth starb am 11. August 90-jährig in Berlin.