Drei Fragen an... Hermann Bäumer
Hermann Bäumer wurde 1965 in Bielefeld geboren. An der Detmolder Musikhochschule studierte er Posaune und Dirigieren, später wechselte er nach Leipzig. Als Posaunist wirkte er bei den Bamberger Symphonikern und dann bei den Berliner Philharmonikern. Doch zog es ihn vehementer noch ans Dirigentenpult. In der Spielzeit 2004/2005 trat er seine Stelle als Osnabrücker Generalmusikdirektor an. Seit der Saison 2011/1012 ist er GMD in Mainz. Neben der Pflege des Repertoires beweist er dort - wie schon in Osnabrück - außerordentliches Gespür für Zeitgenössisches und das vom archäologischen genius loci mindestens der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt vielleicht auch nahegelegte Sensorium für Ausgrabungen. Stellvertretend hierfür sei der „Antikrist“ des sonst als Komponist von Orgelwerken bekannten Dänen Rued Langgaard in der Spielzeit 2017/18 genannt. Ohne seine Herkunft zu verleugnen, hat sich der gebürtige Ostwestfale Bäumer längst ans Rheinhessische akklimatisiert. Er wird den Mainzern bis mindestens 2025 erhalten bleiben.
Was bedeutet für Sie persönlich „Theater“?
Kann man durch in Spielszenen übertragene Aufführungen von aufgeschriebenen Werken unter zu Hilfenahme von Musik ZuhörerInnen und ZuschauerInnen dazu verleiten, über sich und das eigene Leben nachzudenken? Und kann sich dadurch deren Blickwinkel verändern? Wenn sich diese Frage nach einer Aufführung auch nur von einer Person mit „Ja“ beantwortet lässt, ist es das, was für mich Theater bedeutet.
Was war für Sie der bisherige Höhepunkt Ihrer Theaterarbeit?
Ganz aktuell die Arbeit an unserem Beethoven-Projekt am Staatstheater Mainz mit dem Regisseur Jan Gockel , alles unter Corona-Bedingungen, in gewisser Weise isoliert wie Beethoven selbst durch sein Gehörleiden und gerade deshalb extrem spannend. Die DEA von Pascal Dusapins Oper Perela am Staatstheater Mainz unter der Regie von Lydia Steier und die UA der „Bestmannoper“ von A. Nowitz in Osnabrück, die auf persönlichen Erlebnissen von Serge Klarsfeld beruht, unter dessen Anwesenheit, unvergesslich.
Welchen Ort in NRW würden Sie BesucherInnen gerne zeigen?
Die Bodelschwingschen Anstalten in Bethel (Bielefeld). Auch wenn sich da in den letzten Jahrzehnten vieles verändert hat, ist doch die Idee des gelebten Miteinanders von Menschen mit und ohne Behinderung nach wie vor unerreicht.
Nachtrag
Das Beethoven-Projekt, auf das sich Hermann Bäumer als einer der Höhepunkte seiner Theaterarbeit bezieht, ist brandaktuell: „Beethoven - Ein Geisterspiel“ wird in Kooperation des Staatstheaters Mainz mit ZDF/3sat auf die gegenwärtige Covid-19-Situation umformatiert. Die Uraufführung wird am 14.06. (So.) um 11.40 Uhr in 3sat übertragen. Eine Voraufführung lässt sich am 13.06. (Sa.) um 19.30 Uhr online auf 3sat und zdf kultur erleben (https://3sat.de bzw. https://zdfkultur.de). Im Zentrum des Projekts steht Beethovens „Heiligenstädter Testament“. Des ertaubenden Komponisten soziale Isolation wie auch seine Bedeutung für den europäischen Gemeingeist formulieren zentrale Anliegen der Produktion. (mk)
Foto: Dennis Möbus
(Den Kontakt vermittelte theater:pur-Autor Michael Kaminski über Sylvia Fritzinger, Leiterin Kommunikation am Staatstheater Mainz.)
10. Mai 2020