L'elisir d'amore im Duesseldorf Oper

Wie sich die Bilder ähneln

Es gibt einigen Anlass, bei Gelegenheit der Düsseldorfer Neuinszenierung von Donizettis Liebestrank auf die Kölner Produktion des gleichen Werkes im vergangenen Juni zu verweisen (siehe hier). Der Nemorino war ein koreanischer Tenor, welcher aus dem Opernstudio hervorgegangen ist. Auch Ovidiu Purcel durchlief diese Station an der Rheinoper und scheint sich als nunmehriges Ensemblemitglied an die Spitze vorzuarbeiten. Seine Stimme ist lyrisch feingestimmt, ohne blässlich ätherisch zu sein. Sie besitzt vielmehr gesunde Maskulinität, aber auch noch knabenhafte Tönung. Eine schöne Mischung. Der Rumäne ist in der Erscheinung sympathisch und agil in der Darstellung.

Den gleichen Weg ging Bogdan Baciu; auch er stammt aus Rumänien. Sein kerniger, sattelfester Bariton dürfte irgendwann auf Verdi hinauslaufen, auch wenn er derzeit weniger schwergewichtige Partien singt wie jetzt den Belcore. Landmännin Luiza Fatyol fällt mit der kleinen Rolle der Giannetta vokal zwar nicht besonders auf, aber das Wenige zu Hörende klingt vielversprechend. Und in der Inszenierung von Joan Anton Rechi steht sie sogar im Mittelpunkt des Geschehens, bekommt sie doch auf der Bühne ein Kind.

Was hat dies nun aber mit Donizettis Oper zu tun? Das vermutlich vorkarnevalistisch aufgeheizte Premierenpublikum fragte nicht weiter, sondern amüsierte sich nach dem Motto „Einen Jux will er sich machen“. Ähnlich wie in Köln, wo die Aufführung vom Rezensenten als krachledern, grell und vordergründig bewertet wurde. In Düsseldorf hat sich Rechi ein Konzept zusammen gebraut, welches theoretisch durchaus interessant anmutet, auf der Bühne dann aber kaum zur Realität wird (altes Regieübel). Frei nach Emmerich Kálmán („Das ist die Liebe, die dumme Liebe“) paraphrasiert Rechi ein Ur-Thema und kombiniert es mit der Ur-Gier nach Alkohol. Dieser setzt bekanntermaßen Verstandesdenken außer Kraft, so auch in der Liebe. Solcherart möchte der Regisseur „Sommernachstraum“-Atmosphäre einfangen, mit Dulcamara als einer Art Puck.

Das Geschehen beginnt mit einem Hochzeitsfest für Giannetta, die übrigens lieber Süßigkeiten vernascht als ihren Bräutigam. Irgendwann setzen stoßweise die Wehen ein, und der außerordentlich besorgte Chor (immer auf Trab und von Christoph Kurig bestens einstudiert) macht Gesundheitsgymnastik mit ihr. Das passt zwar zum Rhythmus der Musik, ist aber nur ein anbiedernder szenischer Kalauer. Adina gibt nicht mehr als einen Zaungast ab, auch Kellner Nemorinos Verliebtheit bleibt undeutlich. Dafür laufen Adina und Belcore lange Zeit aneinander gekettet umher, auf dass ein jeder begreife, was hier erotisch abläuft.

Im übrigen steht das - für sich genommen zauberhafte - Bühnenbild von Alfons Flores im zentralen Blickfeld. Ein Plafond aufgehängter Weingläser, welcher gesenkt, angehoben und geschrägt werden kann. Solcherart jedoch wird ein Nebengedanke über Gebühr aufgeplustert. Rechi haut dazu inszenatorisch auf die Pauke, wo immer es geht, lustig bis zum Gotterbarmen.

Anett Fritsch bietet - anfangs noch mit leichten Schärfen in der Stimme - eine sopranquicke, alle Koloraturfinessen und lyrischen Ausdrucksbereiche in Wohlklang umsetzende Adina. Günes Gürle schauspielert sich aufgekratzt durch die Partie des Dulcamara, was beim Publikum bestens ankommt; sängerisch gibt es mehr Gewolltes als Erreichtes, während die Düsseldorfer Sinfoniker unter Lukas Beikircher einem flotten, prickelnden Donizetti-Sound frönen.