Cosi fan tutte im Theater Münster

Eine hübsche Komödie

Und am Ende haben sich alle wieder lieb – auch den bösen Onkel Alfonso, der sich diesen Treue-Test hat einfallen lassen. Schwamm drüber! Andreas Rosar verordnet den Paaren in Così fan tutte ein waschechtes Happy-End ohne irgendwelche Zweifel. Und dieses Ende ist angesichts seiner Inszenierung nur konsequent.

Zu Beginn schmiert Don Alfonso den Dirigenten und wir sehen eine Theaterbühne auf der Bühne, die Martin Warth mit einem goldenen Bilderrahmen umgibt. Das ganze scheint so eine Art Show zu sein, denn Alfonso ist bunt, in poppigen Farben gekleidet. Das Theater-auf-dem-Theater-Motiv wird danach aber nicht weiter verfolgt. Die Liebespaare sind modern gekleidet, später wandeln sie in 1970er-Jahre-Kostümen, die vielleicht so etwas wie die Suche nach der freien Liebe verkörpern könnten.

Es gibt hübsche Ideen, die zum Schmunzeln reizen. Despina als Arzt etwa beschwört den Magnetismus mittels einer Disco-Kugel. Da sind vielerlei Dinge mehr. Rosar arbeitet gut mit den Figuren, hat auf jede ein Auge. Und lässt sich nicht zu viel zu Parallelaktionen der Liebespaare hinreißen. Das ist wirklich sehr sehenswert. Dennoch bleibt der Gesamteindruck einer bunt bebilderten Nacherzählung. Das gibt vor allem dem zweiten Teil Längen. Denn gerade dort werden ja die entscheidenden Fragen aufgeworfen: Was tun mit Gefühlen, die man nicht kannte, wie sie in das Leben, die Wirklichkeit einbauen? Soll man sie zulassen, sie wegdrängen, Fantasiewelten schaffen? Fragen, die Mozart in seiner Musik stellt, ohne Antworten zu geben. Denn der konnte „Mensch“. Dass Rosar es letztlich dann doch bei einer eher konventionellen, wenn auch  äußerlich farbigen Deutung belässt, ist schade. Das fügt sich aber in den Charakter der bisherigen Musiktheaterpremieren am Theater Münster ein und ist vielleicht gewollt.

Musikalisch geriet der Abend alles andere als langweilig. Das Musiktheaterensemble konnte seine ganze Stärke und Ausgeglichenheit unter Beweis stellen. Eva Bauchmüllers Despina ist unglaublich souverän; zwitschernd, dass ihnen der Kopf dröhnt, setzt sie den Damen Flausen in den Kopf. Schmeichelnd und lockend der Alfonso Gregor Dalals. Neu im Ensemble stellt Birger Radde sich als Guglielmo vor. Ein Einstand nach Maß mit wunderbarer klarer Diktion. Youn-Seong Shim hat seinen Platz längst erobert und ist als Ferrando wieder mal sehr überzeugend. Das gilt auch für die beiden Damen. Sara Rossi Daldoss gelingt ein absolut eindeutiges, klares Bekenntnis zur Tugend mit „Come scoglio“, während man Lisa Wedekinds warmem Mezzo deutlich die Flirtbereitschaft anhört.

Verlässlicher Partner ist das Sinfonieorchester Münster, auch wenn Fabrizio Ventura flotte, manchmal zu flotte Tempi anschlägt.

Das Publikum applaudiert recht angetan dem langen Premierenabend.