Der goldene Hahn im Duesseldorf Oper

Brave Komödie

Im zweiten Akt merkt man es besonders deutlich. Die Hauptfigur, Zar Dodon, ein im Alter harmoniesüchtig und ausruhbedürftig gewordener Tyrann, trifft auf die Königin von Schemacha, eigentlich die luftige Versuchung aus dem Osten. Der Regisseur Dmitry Bertman hat den Akt nach Paris verlegt, in eine Art Party-Shopping-Sehnsuchtsort für die „russische Seele“. Das scheint recht gut zum Stück zu passen, dieser kruden Mischung aus Politsatire und poetischer Parabel, deren Uraufführung Rimskij-Korsakow selbst nicht mehr erleben konnte, auch und vor allem wegen der russischen Zensur. Aber es scheint eben nur so. Der konkrete gesellschaftliche Bezug setzt sich nicht ins Spiel der, gleichwohl hervorragenden, Akteure durch. Hier regiert die Standardgeste, die handwerklich sauber zelebrierte Opernroutine. Dmitry Bertman serviert seine Pointen sicher, entlockt dem Düsseldorfer Publikum immer wieder frohes Glucksen und sogar kleinere Lachsalven. Aber das Spiel lebt nicht. Wunderbar singt Antonina Vesenina die Königin, mit leicht anspringendem, individuell timbrierten, so wenigem wie ausdrucksstarkem Sopran. Und sie sieht toll aus. Aber sie hat ein fantasieloses goldenes Kleid an und muss sich in abgestandenen erotischen Posen ergehen. Auch Boris Statsenko versucht alles, zähmt immer wieder subtil seinen mächtigen Bariton, punktet mit verdruckstem Charme und der Fähigkeit einer Karikatur die Würde zu erhalten. Dennoch lebt dieser Goldene Hahn nicht. Vielleicht ist das Stück auch einfach zu fremd, zu komplex für die heutige Opernbühne, ist es fast unmöglich Rimskij-Korsakows Lust am musikalischen Vexierspiel mit seiner Bewunderung für den Impressionismus, seine dosierte Ironie mit der immanenten Märchenseligkeit und einem durch den Petersburger Blutsonntag von 1905 erwachtem politischen Gewissen zusammenzudenken. Dennoch nimmt sich Dmitry Bertmans, noch einmal sei es betont, handwerklich saubere Inszenierung letztlich – kleinmütig aus.

Auch von Axel Kober und den Düsseldorfer Symphonikern hätte man sich etwas mehr Wagnis gewünscht. So sicher sie den musikalischen Bogen spannen, so sachlich exekutieren sie manchmal die exotistischen, klangverrückten Details der Komposition. Gesungen wir ausnahmslos vorzüglich. Aus einem auf hohem Niveau geschlossenen Ensemble ragt, neben den Genannten, Cornel Frey als hinterhältiger, durch seine Federvieh-Intrige die Handlung auslösender Astrologe heraus, der durchgängig in schon fast absurd hoher Lage zu singen hat, und dabei offensichtlich sogar Freude empfindet. Aber Der goldene Hahn als Theaterstück bleibt noch zu erobern auf unseren Bühnen.