Falstaff im Theater Münster

Just for Fun

Da hat offenbar jemand ein Einsehen und wirft dem pudelnassen Falstaff einen Rettungsring zu, nachdem er von den ränkeschmiedenden Damen Ford, Page und Quickly einfach in der Themse entsorgt worden war. Da sind Lacher im Publikum natürlich garantiert, zumal Verdis Titelheld dann auch noch Wasserfontänen von sich gibt und Algen abschüttelt.

Ganz auf diese Lacher, auf Komödie an sich setzt Ulrich Peters bei seinem Falstaff. Der ist ein abgehalfterter Schauspieler, der meint, noch eben genug Charisma zu besitzen, um bei wohlhabenden weiblichen Fans abkassieren zu können. Welch eine Fehleinschätzung ob seiner Leibesfülle und seines Alters!

Christian Floeren baut im Vordergrund ein Theater nach, auf dem eifrig geprobt wird nebst Kantine – im Hintergrund ein großbürgerliches Wohnzimmer des 19. Jahrhunderts mit Blick auf einen Hafen. Dort leben die Damen, die es Falstaff gründlich schwer machen wollen. Sie sind gekleidet, so wie man es erwarten kann: Nannetta in jungmädchenhaftes Rosa, die Damen Ford und Page elegant bedeckt und die alte Quickly sehr, sehr dunkel. Da sind Überraschungen Fehlanzeige. Aber die braucht es auch nicht, denn Peters weiß, wie Komödie geht. Er treibt die Handlung rasch voran, setzt ganz auf Situationskomik und erzielt dabei hübsche Effekte. Da muss das Publikum einfach mitgehen und das tut es auch. Eine ganz heitere, gelöste Stimmung strömt durch das Große Haus des Theaters Münster. Die erzielt Peters auch durch das Einsetzen boulevardhafter Elemente. Es wird sich versteckt hinter Blumenkübeln, Sofas und Vorhängen; blitzartige Ab- und Auftritte werden eingesetzt.

Manchmal ist es dann der Anspielungen doch zuviel. So agiert der stumme Signore Verdi vielleicht doch ein paar Mal zu oft mit seinem Spazierstock auf der Bühne. Wir wissen schon recht bald, dass natürlich er der Stichwortgeber für die Handlung ist. Bei soviel schwunghafter Komik wäre natürlich im letzten Akt märchenhafter, shakespeareartiger Zauber nicht angesagt. Aber sie ist opulent ausgestattet und am Ende ist dann ja alles gut. Für die flotten Sprüche sorgen die mitunter zeitgemäß aktualisierten Übertitel, die aber doch ein paar Mal über das Ziel hinausschießen. Peters’ Falstaff ist eine zu goutierende Komödie für das Jahresende. Zwischentöne, die man setzen könnte, gibt es nicht. Aber das muss ja auch nicht immer.

Das gesamte Ensemble ist darstellerisch eine Wucht – ohne Ausnahme! Den Falstaff stemmt Gregor Dalal ohne jede Schwierigkeiten. Er ist vom Falsett bis in die tiefsten Tiefen eine Bank. Dagegen bleibt Gary Martin als betrügender Betrüger Ford eher ein wenig blass. Die Damen mischen sich gut: Eva Bauchmüller ist eine sehr sauber singende, wenn auch nicht immer durchschlagskräftige Nannetta und Lisa Wedekind die verlässliche Meg Page. Akzente setzen Sara Rossi Daldoss als Alice Ford und Suzanne McLeod als Quickly. Sie schärfen klar ihr Rollenprofil, ordnen sich aber in den Ensembles auch dort immer unter, wo es geboten ist. Youn-Seong Shim singt als Fenton toll. Er ist aber aus der Rolle des jugendlichen Liebhabers ein wenig herausgewachsen.

Fabrizio Ventura am Pult des wunderbar agilen Sinfonieorchesters Münster nimmt Tempo und Lebendigkeit der Inszenierung auf, entwickelt viel Farbe - und überall dort Kraft und Präsenz, wo sie gebraucht wird.