Carmen la Cubana im Philharmonie Köln

Liebe, Freiheit und Tod auf Kuba

Spanien ist fern. Nicht in Sevilla macht sie die Männer verrückt, es ist Santiago di Cuba, wo Carmen (Luna Manzanares Nardo) sowohl um ihre Liebe wie um ihre Freiheit kämpft. Dort, im Lande des Zuckers und der Zigarren, wird sie zunächst triumphieren und schließlich sterben. Durch die Hand des einzigen Mann, der sie wirklich liebt -durch José (Saeed Mohamed Valdes).

Georges Bizets einstige Skandal-Oper, die 1875 noch zu Stürmen der Entrüstung bei der Pariser Uraufführung führte, haben der kubanische Autor Norge Espinosa Mendoza, Regisseur Christopher Renshaw und sein Arrangeur Alex Lacamoire ins ferne Kuba verlegt. Noch beherrscht Diktator Batista, mit US-amerikanische Unterstützung, die Karibikinsel. Damals, als sie als „Freudenhaus“ der USA galt. Bis Fidel Castro 1953 auftauchte, dem Spuk 1959 ein Ende bereitete – und zugleich seine eigene Diktatur zu etablieren begann.

Die strahlende Schönheit Havannas ist dahin. Das pompejanische Rot, das einst, mit korinthisch anmutenden Säulen, die Karibikinsel glänzen ließ, ist blass geworden, abgeblättert und um billige Bretterzäune ergänzt. Es ist gleichwohl diese Bühnenbild-Tristesse, die das Geschehen um Carmen umso farbenprächtiger wirken lässt.

Umschwärmt wird sie von Batistas Soldaten. Hier träumt sie von einem besseren Leben - und verliert sich in zahllosen Liebesabenteuern. Erst José scheint Ruhe in ihr Leben zu bringen. Doch dessen Liebe und Eifersucht machen alles zunichte, als er den auf Carmen geilen Feldwebel attackiert. Beider Weg nach Havanna führt nun erst recht in die Irre. Denn während José im Gefängnis schmachtet, wird der Boxer Martinez für Carmen zum Idol. Und das einstige Lotterleben, schwankend zwischen aufbegehrender Freiheit und sexueller Abhängigkeit, beginnt von Neuem.

Rot, wie auch anders, ist Carmens aufreizendes Kleid, erotisch aufgeladen sind ihre Bewegungen. Kein Wunder, dass sie nicht den besten Ruf besitzt, ist sie doch der Traum aller Männer, die sie umschwärmen. Grandios sind die Tänze der Truppe, mitreißend die bekannten Lieder, Songs und Arien Bizets, die durch eine 14-köpfige Latin Big Band aufgemotzt und packend daherkommen. Kubanisch eben, rhythmisch und körperlich rasant, voller Lebensfreude und Lebensgier. Durchflochten von mitreißend zärtlichen Szenen zwischen Carmen und José und sehnsuchtsvoll-traurigen Liedern der einstigen Geliebten Josés, von Marilu (Cristina Rodrigez Pino).

Was freilich, jenseits aller anderen Musical-Klischees, die auch in dieser Produktion den Ton angeben, überhaupt nicht „passt“, ist der zwanghafte Versuch, die historische Situation der kubanischen Revolution zu einer glaubhaften Folie des Ganzen zu machen. Nichts davon wird auch nur annähernd deutlich. Es ändern sich nur die Farben der Uniformen.
Gleichwohl wollte der Jubel kein Ende nehmen. Stehende Ovationen dankten dem Team.