Berlin.Berlin im Capitol-Theater Düsseldorf

Lustvoll in den Untergang

Es war einmal. In den Zwanzigern und Anfang der Dreißigerjahre. Berlin galt als Stadt der Sünde und des Lasters, während die Welt dem Zweiten Weltkrieg entgegentrieb. Der Admiralspalast war eine dieser Höllenbrut-Stätten, in denen der Lust gefrönt wurde. In Berlin.Berlin werden diese Jahre wieder zum Leben erweckt. An einem Abend voller Musik und Tanz, Witz und Ironie, an dem Brecht und Kurt Weill karikiert werden, Josephine Baker (Dominique Jackson) ihre Bananenschau in Szene setzt und Marlene Dietrich (Nina Janke) bekennt, „von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ zu sein.

Derzeit ist - nach Köln - Düsseldorfs „Capitol-Theater“ Station der mitreißenden Revue. Hamburg wird folgen, dann Stuttgart - ehe diese Berliner Luft in alle Welt verströmt werden soll. Mit einem wort - und singgewandten Conferencier (Martin Bermoser) in der Mitten, und einem Oktett, dem die Töne eines Salon-Orchesters aus allen Instrumenten strömen.

Doch die Bühne gehört den Schauspielern und Tänzern, die dem üblichen Musical-Gehabe oft die Rote Karte zeigen. Eine von ihnen ist Sophia Euskirchen als Anita Berber, die Femme fatale der Weimarer Republik. Ihre Körper-Explosionen, ihre grandiose „Schamlosigkeit“ in Mimik und Sprache sind allein den Besuch wert. Eine Art Anti-Pol ist Sebastian Prange als Kutte, dessen Schein-Naivität einfach hinreißt. Ganz zu schweigen von den wieder ins Bühnenleben katapultierten Comedian Harmonists, deren Evergreens in Szene gesetzt zu sehen den Zuschauern mehr als ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ehe, wie ein Schock, am Ende ein riesiges Hakenkreuz auf blutrotem Vorhang die Zukunft aufblitzen lässt. In einer Revue, die aus dem üblichen Musical-Mittelmaß herausragt. Chapeau!