Henry V. im Globe Theatre Neuss

A kingdom for a stage

Die Propeller Company (früher: Watermill Company) gastierte 1997 erstmals beim Neusser Shakespeare Festival mit einem unvergesslichen Henry V. Dieses Jahr konnte man eine packende Neuinszenierung erleben.

Edward Hall führte Regie bei einem Werk, das er als Stück über Nationalismus und Gemeinschaftsbildung bezeichnet. Shakespeares Interesse richtet sich auf die Frage nach der Ursache von Kriegen, aber auch auf die Problematik der Last einer Führerschaft.

Henry ist zu Beginn voller Zweifel, ob es ihm zusteht, Frankreich zu erobern. Der Erzbischof von Canterbury als sein seelischer Beistand überzeugt ihn von seinem Recht auf den französischen Thron und so von der Notwendigkeit des Krieges.

Shakespeare schrieb sicherlich ein patriotisches Stück über einen englischen Helden, der nicht skrupellos handelt, sondern sich seiner Verantwortung bewusst ist. Das Historiendrama entstand in einer Zeit (1599), in der in England Fremdenfeindlichkeit und Patriotismus dominierten. Der Sieg über die spanische Armada 1588 hatte das Selbstbewusstsein der Nation gestärkt.

Hall arbeitet mit einem für die Company typischen „all-male ensemble“, wie es der Aufführungstradition zu Shakespeares Zeiten entsprach. Die durch die Bank weg guten Schauspieler wurden als Vorbereitung auf dieses Stück über Krieg und Frieden zwischen England und Frankreich von Offizieren der British Army trainiert, u.a. in Sachen Teambildung und Angriffstechniken im Felde. Schon zu Beginn laufen die Akteure in militärischem Outfit und schwarzen Sturmhauben auf dem Platz vor dem Globe umher. Immer wieder singen sie während der Vorstellung patriotische Lieder, aber auch „chart-hits“. In der Pause unterhalten sie das Publikum mit populären Songs (so „Wild Rover“ von den Dubliners). Das Konzept dahinter: jede Aufführung soll ein Event sein. Auch das rote Tarnnetz, das den Bühnenhintergrund abdeckt, passt zum militärischen Touch. Immer wieder verdeutlichen Kriegsszenen mit Gewehrfeuer, Lichteffekten und genau einstudierten martialischen Kampfszenen das zentrale Thema.

Dennoch ist es eine Inszenierung auch mit durchaus leisen Tönen. Zum Beispiel wenn Henry (Dugald Bruce-Lockart) sich als allzu menschlicher König zeigt, der betroffen auf die hohen Verluste der Franzosen (10000 Tote) reagiert – verloren die Engländer in jenem Krieg nur an die 30 Soldaten. Oder wenn Karl Davies als französischen Prinzessin Katherine von ihrer Zofe Alice Englischunterricht bekommt.

Ein beeindruckender Abend mit starken Bildern, mitreißenden Songs und einem hervorragendem Ensemble.