Endspiel im Dortmund, Schauspielhaus

Kein Ende in Sicht

In der Dortmunder Fassung unter der Regie von Kai Voges ist das Personal der ursprünglichen Version von Becketts Endspiel auf Clov und Hamm reduziert. Hier heißen sie Lum und Purl wie die beiden, die uns schon in der Inszenierung von Wolfram Lotz’ Nachrichten an das All zu Spielzeitbeginn begegnet sind. Die Eltern Nagg und Nellie wurden gestrichen. Lum, der Diener, der nicht sitzen kann, kümmert sich um den blinden und gelähmten Purl. Er versorgt ihn mit Medikamenten und beschreibt ihm den Blick aus dem Fenster auf eine öde, verlassene Welt. Purl versucht mehrfach, die Geschichte von einem Bettler und seinem Kind zu erzählen. Und immer wieder droht Lum, Purl zu verlassen – um es dann doch nicht zu schaffen. Nur zwei der stereotypen Wiederholungen einzelner Passagen.

Die Guckkastenbühne ist ein schwarzer Kasten. Heizung, Fenster, Blumenvase, Teppich und Telefon sind mit weißen Strichen auf die Wände und den Boden gezeichnet. Von der Decke baumelt eine einzelne Glühbirne. Lum (Frank Geuser) stapft ungelenk wiederholt auf hohen Plateausohlen im Kreis, wobei jeder Schritt akustisch verstärkt wird. Das Licht wird schwächer, die Glühbirne flackert heftig, wenn er die Tür aufreißt: „Ich verlasse Dich“ – um sie dann laut zuzuschlagen und weiter seine Runde zu drehen. Diese Situation wiederholt sich monoton, manchmal gleich mehrfach nacheinander, und wird so zur Nervenprobe. Zeigt sie doch, dass es kein bisschen Weiterentwicklung der Figuren bzw. ihres Verhältnisses von gegenseitiger Abhängigkeit gibt. Purl wird von Uwe Schmieder gespielt. Er hockt auf seinem Stuhl in der Mitte der Bühne, die Augen zugeklebt, eine Sonnenbrille auf der Nase. Schnell wechseln seine Befindlichkeit, seine Befehle, Bitten, Fragen. Beide Männer, traurige Clowns in diesem absurden und grotesken Clinch, fesseln durch intensives und bis an die Grenze der physischen Kraft gehendes Spiel. Eine alptraumhafte Situation, in der der Augenblick sich scheinbar ewig dehnt, so die Aussage des Regisseurs. Spannend und enervierend zugleich. Faszinierend der Soundtrack (Mario Simon) : Lachen die Personen, so wird dies künstlich verstärkt. Räumt Lum auf, so hört man einen Staubsauger. Betastet Purl die vierte Wand (zum Zuschauerraum hin) vorsichtig mit seinen Händen, so hört man einige Takte aus Zarah Leanders „Nur nicht aus Liebe weinen“.

Ein faszinierender, nachdenklich stimmender Abend mit grandiosen Schauspielern und einem überzeugenden Regiekonzept.