Ali Baba und die 40 Räuber im Burghofbühne Dinslaken

Türöffner in eine exotische Welt

Die Burghofbühne in Dinslaken ist das kleinste der vier Landestheater in NRW. Mit nur knapp dreißig Theaterleuten, die Intendant Thorsten Weckherlin um sich schart, stemmt das Haus am Nordwestrand des Reviers pro Saison zwölf Produktionen mit 250 Vorstellungen in über 125 Orten. Und dennoch leistet sich die Bühne mit Sitz im Kathrin-Türks-Haus einen Hausautor, zumal für das Genre „Kindertheater“. Das ist zu loben. Stefan Ey arbeitet seit sechs Jahren in dieser Funktion in Dinslaken. Jetzt brachte er in Eigenregie sein 25. Stück heraus: Ali Baba und die 40 Räuber (für Kinder ab vier Jahren). Die Vorlage lieferten Ey die Märchen aus 1001 Nacht, die schon so viele westliche und natürlich auch orientalische Schriftsteller und Dramatiker inspiriert haben. Sie sind und bleiben eine Fundgrube: weil sie lehrreich, humorvoll, menschlich, anekdotisch und sogar weise sind. Wie dies auch bei Ali Baba der Fall ist.

Die Burghofbühne spart nicht an der Ausstattung und dem Format des flotten Kindertheaters. Also geht es farbenreich, bunt und zitatengespickt auf dem Podium zu. Palmen, Kamele, Zelte, Fassaden, Kostüme  - Harry Behlaus Ausstattung führt ohne Umschweife in eine Märchen- und Zauberwelt, in die sich die Kleinen im Parkett schnell einleben können.

Ali sammelt Holz, um es zu verkaufen – davon lebt er, weil er nichts anderes gelernt hat. Doch in der Wüste das Brennmaterial zu finden, erweist sich als schwierige Arbeit. Ein bisschen neidisch ist er deshalb schon auf Bruder Kasim, der eine reiche Frau geheiratet hat. Während Ali immer Hunger hat und ihn kaum stillen kann, lebt Kasim wie eine Made im Speck. Außerdem will Ali unbedingt die hübsche Sklavin Morgiane freikaufen, um sie – endlich – heiraten zu können. Da will es der Zufall, dass er zwei Räuber beobachtet, die Gold aus einem Diebstahl in einem Versteck unterbringen. Und er bekommt sogar die Formel mit, mit der man den Ort aufschließen kann: Sesam, öffne dich… Ali muss hart mit sich ringen, um nicht ebenfalls zum Dieb zu werden und das rettende Gold an sich zu reißen.

Keine große, eher eine kleine Episode aus dem Buch arabischer Volksweisheit. Stefan Ey erschließt diese ferne Nahost-Welt zusammen mit seinen Partnern – der schon genannte Austatter H. Behlau sowie Gerhard Kappelhoff (Musik) und Emily Severin (Choreographie) – mit den Mitteln der Poesie und der Dramaturgie der überraschenden Abenteuergeschichte. Es ist deshalb viel los auf den „Brettern“. Munter geht es zu beim einsatzbereiten Ensemble, das die Figuren plastisch und lebensnah werden lässt. Humor spielt als unsichtbarer Partner mit. Da kann das Publikum mitfiebern und dem sympathischen Ali die Daumen drücken.

Ob Bösewicht oder Herzensheld – Ey und das Dinslakener Team fühlen sich mühelos in die orientalische Idylle ein. Daniele Nese als tapferer und aufrichtiger Ali Baba, Marco Pickart Alvaro (als Gast) als beneideter Kasim, Lara Christine Schmidt als Morgiane (und Erzählerin) sowie u.a. die beiden Räubertypen Carsten Caniglia und David Zieglmaier, die von Ali ausgetrickst werden, garantieren in summa eine unterhaltsame Komödie aus 1001 Nacht: als freundlicher Türöffner in eine andere Welt, in der es vor allem gerecht (und gewitzt) zugehen soll.

Der lebhafte Applaus der vielen Familien im Saal zeigt an: Die Signale von Ali und Co. sind bestens angekommen im Jahr 2013. Ey hat ein Händchen für ein solches Thema, für einen solchen Anspruch – als Autor wie auch als Regisseur. Das Stück spult ab wie ein geöltes Räderwerk