The Last Adventures im Maschinenhalle Gladbeck-Zweckel

Zwischen Klang und Krach

Das Pfund, mit dem die Ruhrtriennale wuchert, sind die Spielorte. Von all diesen herrlichen alten Industrieanlagen ist die Gladbecker Maschinenhalle Zweckel vielleicht die beeindruckendste, eine urgewaltige Breitwandbühne mit Kirchenfenstern, ein Raum, der alles verträgt, nur keine Kleinigkeiten.

Ausgerechnet das britische Performerkollektiv Forced Entertainment, dessen Hauptqualität eigentlich etwas ist, was die Halle nicht erlaubt, fast schmerzhaft intensive Intimität, stellte sich jetzt, sogar ohne Bühnenbild, dieser besonderen Herausforderung.

Sie stellen in The Last Adventures nicht, wie sonst bei ihnen üblich, soziale Beziehungen in den Mittelpunkt, sondern große Erzählungen für alle: Mythen, Märchen, Fantasy, Science Fiction. Aber Tim Etchells und sein auf 15 Performer aufgestocktes Ensemble erzählen keine Geschichten. Sie destillieren „nur“ Bilder, isolieren scheinbar bekannte Fragmente und lassen sie, scheinbar zufällig, aufeinander prallen. Dabei hilft eine besondere Qualität von Forced Entertainment: die fließende, kaum wahrnehmbare Grenze zwischen Choreographie und Improvisation, bei gleichbleibend lockerer, meistens extrem wortkarger Bühnenaktion. Für The Last Adventures kommt Tarek Atoui dazu, ein Elektro-Musiker mit Guru-Status. Er kreiert einen Sound zwischen Klang und Krach, eine Ur-Eruption, die Welten vergehen und entstehen lässt, der immer wieder Inseln der Stille zulässt, in denen man meint nichts zu hören als die Halle selbst.

In diesem akustischen Umfeld entwickelt sich die Performance ganz selbstverständlich. Nach einer grotesken, aber fast amüsiert exekutierten Nachsprechübung für das Ensemble zu Beginn, geht es in den Wald der Mythen, Wünsche und Erinnerungen, der großen archetypischen Bilder. Die Performer verkleiden sich als Tod und Roboter, als Sonne, Mond und Sterne, als Theaterkönig und Ritter von der traurigen Gestalt. Man bedroht sich, man bringt sich um, man stirbt malerisch von allein, ein Roboter verliert seinen Kostümkopf, der Tod hebt ängstlich die Hände, als er von einer Waffen-Attrappe bedroht wird. Manche der parallel ablaufenden Szenen dauern nur Sekunden. Zwischendurch entsteht durch Spiel mit zweidimensionalen Holzskulpturen ein Wald, ein Meer, ein Himmel. Die ineinander geschobenen Tableaux bleiben nicht statisch, schieben sich ungleichzeitig ineinander, schön und laut. Manchmal hätte der Zuschauer gerne mehr Zusammenhang, mehr Sinn, aber die Fragmente werden einfach für sich stehen gelassen und interagieren miteinander. Nur wenn es still wird, nimmt man zwischen diesen ganzen klaren, sauberen Bewegungen und diesen kruden Handlungsabläufen plötzlich – Menschen wahr. Spannend!