Geliebte Aphrodite im Neuss, Rheinisches Landestheater

Woody Allen light

Amanda und Lenny Weinrib gehören zu den besseren New Yorker Kreisen. Er ist ein erfolgreicher Sportreporter, sie ist eine ehrgeizige Galeristin, die höher hinaus will. Amanda möchte gern ein Kind haben, hat jedoch nicht die Zeit für eine Schwangerschaft. Ihre Patentlösung: ein Kind adoptieren. Lenny ist zunächst nicht dazu bereit, will er doch seine wertvollen Gene weitergeben. Als dann aber das Kind da ist, schmilzt er dahin, ist es doch ein toller Bursche. Max soll er heißen. Der Sprössling scheint sehr intelligent zu sein und Lenny wandelt sich zum stolzen Vater. Leider erleben Lenny und Amanda stürmische Zeiten in ihrer Ehe, weil Amanda sehr ihrem Chef zugetan ist. Mit ein Grund mehr für Lenny, sich auf die Suche nach Max‘ leiblicher Mutter zu machen.

Woody Allen lässt in seinem Werk einen griechischen Chor der Antike auftreten, der das Geschehen kommentiert und gerne auch Ratschläge gibt. Teiresias, der Seher, Jokaste, die Mutter des Ödipus, sein Vater Laios und die Seherin Kassandra gehören unter anderem dazu. Sie warnen Lenny eindringlich vor seiner Suche. Doch vergebens. So landet er bei Linda Ash, die in Sexfilmen auftritt und ansonsten als Prostituierte ihr Geld verdient. Lenny ist schockiert und fasziniert zugleich. So nehmen die Dinge ihren Lauf.

Peter Wallgram inszenierte am Rheinischen Landestheater die Bühnenfassung Geliebte Aphrodite, die sich an Woody Allens Kinoerfolg Mighty Aphrodite anlehnt. Eigentlich ein erfolgversprechender Stoff. Stefan Leibold zeichnet verantwortlich für die musikalische Untermalung des Abends, so unter anderem mit Cole Porter-Songs. Und dennoch will der Funke nicht überspringen. So reichert Wallgram die Szene in Lindas Apartment mit neckischem Sex-Schnickschnack an. Da gibt es zum Beispiel einen großen Luftballon-Penis oder eine „Pimmeltasse“. Immer wieder werden zweideutig-eindeutige Bemerkungen betont schlüpfrig ausgespielt und vieles entspricht den gängigen Klischees des Bürgers bezüglich der Rotlichthalbwelt. Lindas Zuhälter ist allein schon vom Outfit her (geschmackloses, grell gemustertes Hemd, schwarzer Hut, stets eine Pistole zur Hand) als schräger Vogel überdeutlich gezeichnet. Amanda (Linda Riebau), die Karrierefrau, läuft nur mit einer Zigarette über die Bühne. Sogar im Bett darf sie nicht fehlen. Rainer Scharenberg beeindruckt zuweilen als Lenny. Gerade seine Zweifel, wie er mit Linda einen „normalen Kontakt“ aufbauen kann, werden überzeugend deutlich. Juliane Pempelfort glänzt als warmherzige, bodenständige Gunstgewerblerin mit Hang zum Höheren. Der Chor (Hergard Engert, Philipp Alfons Heitmann, Johanna Freya Iacono-Sembritzki, Bernhard Glosé, Andreas Spaniol), in Toga-ähnlichen Gewändern auftretend, ist fast immer zugegen und liefert seine Kommentare oder singt auch mal ein Lied leicht schief. Auf die Dauer jedoch läuft sich dies tot, ebenso wie manch kurzlebige Regieeinfälle wie das Telefonieren mittels zweier Blechdosen, die mit einer Schnur verbunden sind.

Ein Abend ohne schauspielerische Höhepunkte, mit platten Scherzen und manchem Klischee. Der aber in der besuchten Vorstellung beim vorwiegend älteren Publikum gut ankam. Vielleicht war man wild entschlossen, sich zu amüsieren? Und schließlich naht auch der Karneval, die Zeit des Frohsinns.