Er ist wieder da im Münster, Wolfgang-Borchert-Theater

Adolf Hitler Superstar

Timur Vermes Débutroman Er ist wieder da ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Weit über zwei Millionen verkaufte Exemplare in Deutschland legen dafür beredtes Zeugnis ab – ebenso wie die Verfilmung. Ein wiederkehrender Hitler in einer Satire – ein Thema, das ankommt.

Kathrin Sievers hat den Roman für die Bühne des Wolfgang-Borchert-Theaters adapiert. Sie legt den Fokus auf Medienkritik, führt gekonnt vor, dass ein quotengeiler, von Aktionären abhängiger Privatsender alles tut, um erfolgreich zu sein. Und diese Bemühungen kommen umso komischer daher, wenn den eiskalten Medienmenschen mit Thomas Karl Hagen ein ebenso entschlossener nicht brüllender, sondern gefährlich leiser Hitler gegenübersteht.

Doch dann reiht sich eine Szene an die andere: Da wird die sonst mit allen Wassern gewaschene Bildzeitung ausgetrickst, die AfD kaltgestellt. Alles hübsche Szenen, die jedoch immer nur dieselbe Aussage haben: Medien sind böse und machtgeil, Politiker sind böse und machtgeil. Da passiert nichts wirklich Neues und die Lacher im Publikum werden seltener. Doch, etwas geschieht noch: Die Figur Hitler wird ganz langsam zum Sympathieträger, wird zum Quasi-Anarchisten, der den Medienvertretern mal so richtig die Meinung sagt. Diese Gefahr ist sicher im Roman angelegt, aber auch Sievers schafft es nicht, dieses Bild zu korrigieren, obwohl sie im zweiten Teil einige Versuche unternimmt. Am Ende bleibt’s eben doch dabei: Das Publikum lacht mit Hitler – nicht über ihn. Und es bleibt der etwas fade Beigeschmack eher oberflächlicher Witze.

Annette Wolf projiziert die Handlungsorte (eine heruntergekommene Plattenbausiedlung, das noble Hotel Adlon und ein hippes, loftiges Großraumbüro) auf eine Leinwand – kommt deshalb auch mit wenig Requisiten aus.

Das gibt Raum für die Akteure. Den nutzt nicht nur der exakt und präzise agierende Thomas Karl Hagen. Auch das gesamte Ensemble des Borchert-Theaters stürzt sich mit Feuereifer in die Vielzahl der zu verkörpernden Rollen. Und sie machen jeden Rollenwechsel absolut glaubwürdig.

Jürgen Lorenzen als Kioskbesitzer, der sich zum Talentscout berufen fühlt, Hannah Sieh als eiskalte Medienmanagerin Bellini, Florian Bender als Sawatzki füllen die Rollentypen toll aus. Das tun auch Sven Heiß als armseliger Bernd Höcke und Monika Hess-Zanger als sprachlose (!) Renate Künast. Sabrina vor der Sielhorst verkörpert eine übertölpelte Bildreporterin ebenso überzeugend wie Alice Zekeli die Gothic-Hitlersekretärin.

Schauspielerisch macht der ansonsten ambivalente Abend  viel Spaß.