Enron im Theater Münster

Die Raptoren fressen ihre Erzeuger

„Wir sind das innovativste Unternehmen der Welt“, schwärmt Enron-Chef Jeffrey Skilling. Kein Wunder, dass die Lehman Brothers hinter ihnen her sind: Sie wittern Geschäft. Etwas dümmlich wirken die Banker am Theater Münster, zwei siamesische Zwillinge, an den Schultern zusammengewachsen und in ein einziges breites Jackett gezwängt. Ohne Konzept, ohne zu hinterfragen drängen sie sich dem Energiehändler Enron als seine Finanziers auf. Aber das taten wir alle.

Wir? Die Rezensenten outen sich hiermit verschämt als ehemalige Banker. 50 % von uns kannten das Enron-Management mit den Herren Skilling, Fastow und Lay persönlich. Wir feierten auf den Nobel-Etagen ihrer Offices, berauschten uns an den Erfolgen des Unternehmens, das sich innerhalb weniger Jahre vom regionalen Betreiber von Öl- und Gas-Pipelines zu einem dynamischen, in jeder Hinsicht kreativen internationalen Energiehändler entwickelte – und zum „Flaggschiff der neuen Ökonomie“, wie auch am Theater Münster die Wirtschaftsnachrichten verkünden. Skilling verkörperte den Unternehmer-Typus der Zukunft; er brachte eine neue, moderne Unternehmens-Philosophie an den Markt. Und so liefen die Banken wie die Lemminge den dümmlichen Lehman-Twins hinterher, gierig nach Geschäft. Das sie am liebsten mit den „Raptoren“ abschlossen, den zahlreichen Special Purpose Entities des Konzerns mit seiner längst undurchschaubar gewordenen Struktur. Bei den Special Purpose Entities gilt ein erhöhtes Risiko: Deshalb wirft das Geschäft mit ihnen höhere Gewinnmargen ab – so ist halt der Markt. Aber bei Enron stand dahinter ja ein Unternehmen, dem die Zukunft gehörte. Im Dezember des Jahres 2000 war es das siebtgrößte Unternehmen der USA. Im Dezember des Jahres 2001 war es pleite. So ist halt der Markt: Allzu kreative Buchführung wird auch im Turbokapitalismus bestraft …

So ist halt der Markt – das war die erste Lektion, die der von der als eher aggressiv bekannten Unternehmensberatung McKinsey zu Enron gewechselte Jeffrey Skilling den verschlafenen Kollegen des einstigen Energieversorgers beibrachte. Die Unterzeichner sind in Ausbildung und Studium noch mit dem guten alten Niederstwertprinzip aufgewachsen: Bilanziere deine Vermögensgegenstände mit dem jeweils niedrigsten Wertansatz, der sich beim Vergleich von Anschaffungs- oder Herstellungskosten, Marktpreis und dem am Abschlussstichtag beizulegenden Wert ergibt. Damals galt der „vorsichtige Kaufmann“ noch als Moralbegriff und nicht als Schimpfwort für zurückgebliebene Dumpfbacken. Aber man stelle sich mal rein semantisch den Begriff „Niederstwertprinzip“ in der Glamour-Welt des globalisierten Finanz- oder Energiemarkts vor! „Mark-to-market“ ist dort das Gebot der Stunde: Bilanziere zum Marktpreis, zumal wenn dieser über dem Einstandspreis liegt und potentielle, aber längst nicht realisierte Gewinne vorzeitig reale, monetäre Potenz verleihende Mega-Bonifikationen auf die Konten der Finanz-Jongleure spülen. Und wenn es wie in unserem Enron-Fall keinen Markt gibt, weil bislang der Staat Produktion und Vertrieb in der Energiebranche beherrschte? Umso besser: Dann setzt man halt Phantasiepreise an. Die Gewinne explodieren. Und Verluste werden verschleiert. Verbindlichkeiten werden dem Mutterunternehmen von Tochtergesellschaften zu überhöhten Preisen abgekauft. Nach US-amerikanischer Rechtslage genügte es seinerzeit, wenn eine Tochtergesellschaft 3 % ihres Kapitals aus unabhängigen Quellen bekam, um selbst als unabhängig zu gelten und eigenständig bilanzieren zu dürfen. Happy New World.

Energisch setzt der neue Energie-Manager bei Enron das Konzept um. Er weitet die Produktpalette aus: „Vom größten Energiekonzern der Welt zum größten Konzern der Welt“ will er sein Unternehmen entwickeln – noch wenige Monate vor dem Konkurs. Video-on-Demand will er anbieten, mit Breitbandkapazitäten zur Datenübertragung handeln – das ist die Zukunft, und das ist gut und teuer und verspricht exorbitante Margen. Skillings baut Handelsplattformen für Papier und Kohle auf – und für Versicherungen gegen schlechtes Wetter. Derweil bastelt Finanzchef Andy Fastow an einem undurchschaubaren Netzwerk von Special Purpose Entities, von denen die meisten der Verschleierung fragwürdiger Bilanzierungstricks dienen. „Raptoren“ nennt er diese schuldenfressenden Ungeheuer, nach den fleisch- und menschenfressenden Dinosauriern aus „Jurassic Park“. Am Ende werden sie das Unternehmen selbst fressen.

Lucy Prebble hat all diese komplexen Zusammenhänge exzellent recherchiert und eine intelligente Groteske über einen der größten Finanz-Skandale der letzten zwanzig Jahre geschrieben – und eine Parabel auf die globale Wirtschaftswelt. Der Zuschauer erlebt ein Stück jüngerer Wirtschaftsgeschichte, doch hat die Dramatikerin keine staubtrockene Nacherzählung des Geschehens abgeliefert, sondern sich vor allem auf die in der Verführbarkeit des Menschen liegenden Ursachen des Skandals konzentriert, die Allgemeingültigkeit beanspruchen. Politik und Presse, Justiz und Wirtschaftsprüfer werden korrumpiert, doch vor allem die Angestellten selbst verlieren ihre moralischen Maßstäbe im gleichen Maße, in dem sich die Maßstäbe ihrer finanziellen Vergütung verschieben. Sowohl Prebble als auch Regisseur Dominique Schnizer haben der Gefahr, dass die Komplexität des Finanzgeschehens den „normalen“ Zuschauer überfordern könnte, durch eine satirische Erzählweise und viele komödiantische Szenen entgegengewirkt. Die dem Publikum fremden Begriffe aus der Finanzwelt werden leichthändig und auf sehr unterhaltsame Weise erklärt.

Der dreistöckige Aufbau der Bühne erscheint sowohl metaphorisch als auch real stimmig. Ganz oben befindet sich der Fitness-Raum, in dem sich der junge, frisch ins Unternehmen gekommene Skilling auch mal auf einen Quickie mit Claudia Roe einlässt. Roe ist die einzige der vier Hauptfiguren, die Prebble hinzuerfunden hat. Die Autorin hat die Figur aus mehreren Enron-Managern zusammengesetzt; unter anderem trägt sie Züge von Sherron Watkins, der Whistleblowerin, die im Jahre 2001 mit einer Mail an den Unternehmensgründer und Aufsichtsratsvorsitzenden Kenneth Lay die Aufdeckung des Betrugsskandals in Gang setzte. Claudia Hübschmann gibt der hybriden Figur ein etwas uneindeutiges Profil: einerseits ist sie die kalte Karrierezicke mit spitzer Zunge, andererseits aber auch die einzige, die die Gefahren der kriminellen Aktivitäten Fastows sieht und die noch an die „Old Economy“ wie den Bau von Kraftwerken und Pipelines glaubt. Ihre Figur schwankt zwischen kalter, karrieregeiler Berechnung und gelegentlichem moralischem Impetus, doch Hübschmanns Spiel macht die widersprüchlichen Triebfedern ihres Handelns nicht deutlich. Real ist dagegen der Fitness-Raum: Enron erlaubte den gestressten Angestellten und Führungskräften jederzeit während der Arbeitszeit die Nutzung des firmeneigenen „Gyms“ im eigenen Haus. Auch damit war Enron seiner Zeit voraus: früher als andere hatte das Unternehmen erkannt, dass Höchstleistung am Büro-Arbeitsplatz einen gesundheitsbewussten Umgang mit der eigenen körperlichen Fitness voraussetzt. Es war halt das innovativste Unternehmen der Welt…

In der mittleren Etage befindet sich im Theater Münster die Arbeits-, Vorstands- und Party-Ebene. Dort finden Besprechungen statt, dort werden Besucher empfangen, dort werden Erfolge gefeiert, dort sitzen die Händler vor ihren Laptops und schreien hektisch in ihre Telefone oder lassen – klischeehaft, aber realitätsnah – ihrem Testosteron-Haushalt freien Lauf. Unten im Keller dagegen ist das finstere Reich von Andy Fastow und seinen schuldenfressenden „Raptoren“; Tausende von Papierschnipseln müllen den Keller zu, in dem Daniel Rothaugs Fastow trotz seiner überschaubaren Körpergröße von 1,70 m nicht ansatzweise aufrecht stehen kann. Die Schnipsel werden irgendwann ein Eigenleben entwickeln und der Kontrolle ihres Schöpfers entgleiten. Finanzchef und Vorstandsmitglied Andrew Fastow war der Mastermind des Unternehmens, der die betrügerischen Finanzkonstruktionen ersann und steuerte. Die Anlage der Figur des – in der Realität durchaus seriös auftretenden - Topmanagers erscheint zunächst nicht ungeschickt: Daniel Rothaug, den groß gewachsenen Darstellern des Skilling und des Lay an Körpergröße deutlich unterlegen, ist die Karikatur des karrieregeilen Underdogs, der mit kaum zu bremsendem Ehrgeiz nach oben strebt und sich mit enervierendem Auftreten in den Vordergrund schiebt. Leider gerät Rothaug seine Figur zu einem grotesken Zappelphilipp im Stile einer RTL-Comedy-Figur, so dass man selbst in einer so brillanten Farce wie der von Lucy Prebble nicht glauben mag, dass sich ein Unternehmensvorstand eines dermaßen durchgeknallten Typen als Berater bedient und ihn zum späteren Kollegen macht. 

Der Figur des Skilling hat Lucy Prebble eine shakespearesche Dimension mitgegeben. Aurel Bereuter gibt den Seiteneinsteiger von McKinsey als wahren Macbeth. Das Hexenwerk der Mark-to-Market-Methode hat ihm längst der Markt eingegeben – das war zum Zeitpunkt seines Wechsels zu Enron im angloamerikanischen Raum nicht neu, allerdings auf die Enron-Produkte nicht anwendbar. Dennoch war Macbeth nicht von Beginn an böse – allenfalls ein wenig zu enthusiastisch. Doch Skilling ist gläubig: Er himmelt den Gott Geld an und vermittelt diese Religion auch seinen Mitarbeitern. „Sex und Geld motivieren die Leute“ – ein Blick nach Wolfsburg zeigt, dass diese Kombination auch in der deutschen Provinz ihre moralvernichtende Wirkung tut. Großartig gelingt Bereuter die Macbeth-Parallele, als sein Laden ins Wanken gerät: Wenn er zum Getriebenen wird, längst erkannt hat, dass er sein Spiel verlieren wird, glaubt man, den Angstschweiß auf seinem Gesicht zu sehen – und wie Macbeth begegnet er dem drohenden Untergang mit zunehmendem Realitätsverlust und Schüben großer Hybris. Doch Birnam Wood will come to Dunsinane: Skilling wird von den Raptoren überwältigt.

Der Realität am nächsten kommt wohl Hanns Jörg Krumpholz als Kenneth Lay. Der Unternehmensgründer und langjährige Vorsitzende des Unternehmens war wohl ein Gentleman alter Schule. Doch geldgierig war er auch er, wie Krumpholz herausstellt, und so wird der Chef zum Mitläufer. Bald trägt er unter dem seriösen dunklen Anzug ein schrill-buntes Hemd – fast verschämt passt er sich dem Stil der neuen Zeit an. Und steckt den Kopf in den Sand: „Wenn etwas an mich herangetragen wird, muss ich handeln. Es muss aber natürlich nicht an mich herangetragen werden.“ Krumpholz gibt in Dominique Schnizers reichlich aufgekratzter, verzappelter Inszenierung den ruhenden Pol. Sein Lay macht sich schuldig, doch umgibt ihn auch ein Hauch von Tragik, während der Untergang der übrigen Figuren in Schnizers Inszenierung beim gemeinen Publikum wohl entgegen der Absicht der Autorin vor allem Schadenfreude auslöst.

(Horst Füllenkemper und Dietmar Zimmermann)

Die Geschichte von ENRON: Was wirklich geschah (1985 bis 2001)

•    ENRON entstand im Jahre 1985 aus der Fusion des Gasversorgers Houston Natural Gas und Nebraska North, einer Pipeline-Gesellschaft in Nebraska. Als Folge der Fusion saß das neue Unternehmen auf einem riesigen Schuldenberg. Gleichzeitig wurde der Gasmarkt in den USA dereguliert, um Anreize für private Investitionen in Kraftwerke und Pipelines zu schaffen und durch den entstehenden Wettbewerb eine höhere Effizienz bei der Energieerzeugung und in der Folge niedrigere Gaspreise zu erreichen. Das verschuldete ENRON stand daher vor dem Problem, durch ein verändertes Geschäftsmodell neue Erträge und einen verbesserten Cashflow generieren zu müssen.

•    Der Vorstandsvorsitzende Kenneth Lay engagierte für diese Aufgabe den McKinsey-Mann Jeffery (Jeff) Skilling, der über Erfahrungen aus dem Finanzbereich sowie aus der Beratung von Unternehmen der Chemischen und der Energie-Industrie verfügte. Skillings Idee war die Wandlung des Unternehmens von einem reinen regionalen Gaszulieferer zur überregionalen „Gas Bank“, die Gas von verschiedenen Anbietern kaufte und anschließend an Kunden weiterverkaufte.

•    Es begann mit dem Handel von Gas, später auch von Strom. Die Idee, gemeinsam mit der in Dallas ansässigen Blockbuster Inc. einen Handel von Breitband-Kapazitäten aufzubauen, scheiterte letztlich an technischen Problemen. Dennoch entwickelte sich ENRON zur ersten großen Internet-Gesellschaft des Neuen Marktes in den USA.

•    Der von ENRON mit dem Handel von Gas und Energie generierte Umsatz stieg innerhalb von zehn Jahren von 2 Milliarden auf 7 Milliarden US-$. Die Finanzwelt erlebte erstmalig die Schaffung einer elektronischen Plattform für Rohstoffe, der ENRON Online (EOL). Der Markt war begeistert: Im August 2000 erreichte der ENRON-Aktienkurs ein Hoch von über 90 US-$.

•    Jeff Skilling veränderte zügig die Unternehmenskultur von ENRON: Nur die besten und begabtesten Absolventen der Top-US-Hochschulen wurden angeheuert. Die Mitarbeiter unterlagen einem ständigen 360 Grad–Beurteilungsprozess, für den sogenannte Performance Review Committees eingeführt wurden. Angestellte wurden regelmäßig einer Bewertung von 1 bis 5 unterworfen - mit einer 5er Bewertung hatten die Angestellten keinerlei Aussichten im Unternehmen. Im Gegenzug bot ENRON eine herausragende Bezahlung und ungewöhnliche Sonder-Leistungen. Skilling wurde 1990 zum Vorstandsvorsitzenden (CEO) der ENRON FINANCE CORPORATION und einige Jahre später (1996) zum Chief Operations Officer (COO) des Mutterunternehmens ENRON ernannt. Im Jahre 2001 übernahm er schließlich die Rolle des Vorstandsvorsitzenden, und Ken Lay zog sich in den Aufsichtsrat zurück.

•    Einer der jungen, von ENRON angeheuerten Absolventen war Andrew (Andy) Fastow, ein 29jähriger Kellogg MBA, der bereits Erfahrungen bei kreditfinanzierten Übernahmen in der Continental Illinois Bank in Chicago gesammelt hatte. Fastow wurde zum Protegé von Skilling und schon nach kurzer Zeit auf die Position des Finanzdirektors von ENRON befördert.

•    Andy Fastow führte zwei wesentliche, für ENRON neue Bilanzierung-Regeln ein: Das Mark-to-Market Accounting erlaubte ENRON, zukünftige Erträge aus Gas- und Elektrizitätsverträgen als nicht-realisierte Erträge in der GuV in die Gegenwart vorzuziehen mit dem Ergebnis, dass in 2000 etwa die Hälfte der ausgewiesenen Vorsteuererträge von ENRON aus zukünftigen, noch nicht realisierten Gewinnen bestanden. Die Etablierung von „Special Purpose Entities“ (SPEs) erlaubte ENRON schließlich, für zahlreiche Projekte Banken und Versicherungsgesellschaften als Eigenkapital- und Kreditgeber zu gewinnen, ohne die Bilanz auszuweiten und den „Return-on-Asset“ (ROA) zu verschlechtern. Auch zahlreiche Banken aus Deutschland engagierten sich bei diesen Geschäften. Das Unternehmen betrieb das Geschäft im Wesentlichen in diesen Gesellschaften, die „Raptoren“ genannt wurden. Die bekanntesten waren LJM Cayman 1 und 2, an denen Fastow selbst beteiligt war und die ihm persönlich zu großem Reichtum verhalfen. All diese Neuerungen wurden von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Anderson, der US-Börsenaufsicht sowie den Ratingagenturen mitgetragen bzw. gebilligt. Anderson hatte zeitweise ganzjährig eine komplette Etage im Gebäude von ENRON besetzt.

•    Erst spät in 2001 wuchs die Skepsis des Marktes bezüglich der Qualität der ENRON-Bilanzierung und der Quellen der kräftig sprudelnden Gewinne. Dann ging alles sehr schnell: Nachdem Skilling noch im Februar 2001 von Lay den Vorstandsvorsitz übernommen hatte, musste er schon im August wieder zurücktreten - wohl ausgelöst von einem internen Memorandum einer Mitarbeiterin in der Bilanzabteilung an Ken Lay, das undurchsichtige Bilanzierungspraktiken aufzeigte. Der als CEO wiederernannte Ken Lay mandatierte wiederum Arthur Anderson mit der Prüfung der Bilanzen. Die US-Börsenaufsicht SEC trat im Oktober 2001 auf den Plan, was dazu führte, dass ENRON seine Bilanzen rückwirkend bis 1997 korrigieren und neu aufstellen und Andy Fastow das Unternehmen verlassen musste. Mittlerweile war der Aktienkurs auf 10 US-$ gefallen. Die Ratingagenturen bewerteten ENRONs Verbindlichkeiten jetzt als Ramsch. Am 30. November war der Aktienkurs schließlich auf 26 Cents gefallen. Am 2. Dezember meldete das Unternehmen Konkurs an.

•    Im Ergebnis verloren 20 000 Mitarbeiter ihren Job und ihre in ENRON-Aktien angelegten Ersparnisse und Pensionen. Lay wurde verurteilt, starb jedoch noch vor Antritt seines Gefängnisaufenthalts an Herzversagen. Andy Fastow kam nach nur fünf Jahren Gefängnis wieder frei, nachdem er mit der Staatsanwaltschaft kooperiert hatte - als Vorbestrafter ist er heute nur noch als Redner auf Veranstaltungen unterwegs. Jeff Skilling sitzt weiterhin im Gefängnis. Banken und Versicherungen (auch in Deutschland und Europa) mussten Milliarden abschreiben. Die einst große und international renommierte Wirtschaftsprüfungsagentur Arthur Anderson musste als Ergebnis ihrer Rolle bei ENRON 2002 ihre Lizenz zurückgeben, nachdem sie krimineller Handlungen (u. a. der Vernichtung von wichtigen Prüfungsdokumenten) schuldig befunden wurde: Tausende von Wirtschaftsprüfern und Partnern verloren ihren Job sowie ihre Pensionen. Seitdem wird ENRON als Fallstudie an amerikanischen und europäischen Hochschulen behandelt.

(Horst Füllenkemper)