In 80 Tagen um die Welt im Schauspielhaus Düsseldorf

Hereinspaziert! Menschen – Länder – Sensationen!

Jules Vernes Reisebericht In 80 Tagen um die Welt (1873) ist der Klassiker des Abenteuerromans und einer der Vorläufer der modernen Science Fiction – Literatur. Er wurde weltweit ein in viele Sprachen übersetzter Bestseller und diente als Vorlage für Theaterproduktionen. So nahmen sich auch Leonhard Koppelmann und Peter Jordan des Stoffes an und konzipierten daraus eine musikalische Revue. Der Spielort Theaterzelt am Ende der Kö bot sich für diese fantasievolle, glamouröse Reise durch die Welt geradezu an.
Sieben Darsteller bewältigen mit ungeheurem Elan und Einsatz das fast dreistündige Spiel, in dem sich Szene an Szene in raschem Tempo reiht. Natürlich steht hier wie im Roman der englische Gentleman und Wissenschaftler Phileas Fogg (Torben Kessler) im Zentrum der Handlung. Er lässt sich auf die Wette ein, in 80 Tagen die Welt umrunden zu können. Als Belohnung winkt die Mitgliedschaft in der Akademie der Wissenschaften, was deren Chancellor gar nicht recht wäre. Begleitet wird er von seinem Assistenten Passepartout (Jonas Friedrich Leonhardi) und Molly (Judith Bohle), einem weiblichen Roboter, den er als eine künstliche Intelligenz in Form einer humanoiden Kohlenstoffeinheit erschaffen hat. Molly mutiert im Laufe des Abends immer mehr zu einer realen Person, die ihrem Schöpfer mehrmals das Leben rettet und unsterblich in ihn verliebt ist. Unklar, wie dieser Wandel von der Maschine zum Menschen zustande kam. Aber vielleicht sollte man dies nicht zu kritisch hinterfragen.
Eine vierköpfige Live Band begleitet durch die vielen Shownummern und Songs.

Die Reise beginnt mit der Abfahrt von Victoria Station. Schon hier wird die Szenerie eindrucksvoll bebildert durch Schwarz-Weiß-Videoprojektionen und die entsprechende Geräuschkulisse. Geschickt die Montage der Gleise im Tunnel unter dem Ärmelkanal – eine damals wahrhaft futuristische Idee - , auf denen sich Fogg und sein Diener fortbewegen. Die Reise führt über Paris nach Deutschland („Das einzige Land auf der Welt, in das man so reinkommt“), über den Balkan zum Mittelmeer. Verfolgt wird unser Trio von Mr. Fixx (Andreas Grothgar), dem bösen Buben im Spiel, der im Auftrag des Chancellors Foggs Triumph auf jeden Fall verhindern soll. So manipuliert er mal dessen Auto, dann lockt er ihn in eine Opiumhöhle in Hongkong. Jede Station der Reise wird fantasievoll bebildert und musikalisch illustriert. Wobei kein Klischee ausgelassen wird. In Griechenland tanzen alle Sirtaki, in Kairo ist das Tragen eines Fez obligatorisch, in Indien fällt Molly fast einer Witwenverbrennung zum Opfer. Thiemo Schwarz singt dazu „Burning widows is worse than drinking“. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Sicherlich amüsant und unterhaltsam.
Aber der Abend verliert durch die Reizüberflutung und durch manch langatmige Szene. Zum Beispiel wenn unser Trio überlegt, wie es mit einem Teilchenbeschleuniger wieder aus dem Weltall zur Erde zurückkehren könnte.
Punktuell werden aktuelle Themen kritisch angemerkt, so die Beobachtung von Fogg, ein weltweites Kommunikationsnetz führe zur Isolation des Einzelnen und – ein kleiner Gag in eigener Sache – mache das Theater überflüssig. Ein wahrhaft schillernder Abend, an dem nicht an Gags, an Kostümen und erst recht nicht an Ideen gespart wurde. So werden immer neue Videobilder auf die Gaze, die ab und an die Zirkusspielfläche umspannt, projiziert. Schier unerschöpflich die Flut der Eindrücke. Ein Plus der Produktion, aber auch ein Nachteil. Verschwimmen doch die Bilder ineinander und wirken kaum mehr als Einzeleindrücke.

Zu loben ist das Ensemble, das engagiert spielt, singt und tanzt und sich mit unerschöpflicher Energie in jede neue Szene wirft. Zu nennen wären hier noch Adrienne Lejko und Martin Esser.