Race im Bochum, Schauspielhaus

„You wanna tell me about black people? I will help you.“

Eric de Vroedt brachte am Schauspielhaus Bochum unter anderem Leas Hochzeit und Freitag heraus, zwei überaus packende Inszenierungen. Jetzt wurde seine niederländische Produktion Race vom Nationaltheater Den Haag gezeigt, dessen künstlerischer Leiter de Vroedt ist.

David Mamet konfrontiert uns in seinem Stück Race mit den nach wie vor - nicht nur in Amerika – aktuellen Themen „Sexismus und Rassismus am Arbeitsplatz“- er macht dies jedoch auf eine sehr geschickte Weise. De Vroedt über Mamet: „Als ein vollendeter Showmaster verleitet, reizt, kitzelt und unterhält er uns mit seinen Quasi-Gutmenschen… und lockt uns so in eine Falle.“ Die Lektion: im gesellschaftlichen Umgang spielen Vorurteile, ob bewusst oder unbewusst, immer eine Rolle, sowohl bei Weiß wie bei Schwarz.

Worum geht es? Zwei Top-Anwälte, der eine weiß (Jack Lawson), der andere schwarz (Henry Brown), erhalten den Auftrag, einen reichen, weißen Geschäftsmann, Charles Strickland, zu verteidigen, der eine junge schwarze Frau vergewaltigt haben soll. Beides sind erfahrene Strafverteidiger: in der Kanzlei arbeitet seit kurzem eine junge Schwarze, Susan, eine Referendarin. Interessanterweise schrieb sie ihre Diplomarbeit über die „strukturelle Persistenz des Rassismus in vermeintlich unvoreingenommenen Transaktionen am Arbeitsplatz“. Wir sind Zeugen der Vorbereitung auf den Prozess und erfahren auch manches über die dubiose Rolle, die die Presse spielen kann. Strickland behauptet, unschuldig zu sein: „Ich bin ein Opfer einer falschen Beschuldigung.“ Während Lawson (Mark Rietman) und Brown (Werner Kolf) verschiedene Strategien durchgehen, wie man die Jury am besten gewinnen kann - wobei jeder noch so unmoralische Trick erlaubt zu sein scheint, die Wahrheit ist von sekundärer Bedeutung - , lenkt Susan die Aufmerksamkeit auf die rassistische Vorgeschichte des Beschuldigten. Für sie steht der Konflikt zwischen Schwarzen und Weißen im Zentrum und Strickland, der weiße Mann, ist schuldig.

Die Bühne besteht aus einem Raum in der Kanzlei mit drei Sesseln. Drei Glastüren an der Rückwand, von hinten beleuchtet, erlauben effektvolle Auftritte und ein Spiel im Hintergrund. Ein überdimensional großes Gemälde – Motiv: weiße Dame in historischem Kostüm mit schwarzem Knaben, letzterer ist offensichtlich ein Diener – hängt an der Rückwand und spiegelt die Haltung vieler weißer Amerikaner früher und sicherlich auch heute wieder. Strickland (Geert van der Heijden) erinnert mit seiner weißblonden Haarpracht an den rechten niederländischen Politiker Geert Wilders. Zufall? Er verkörpert überzeugend den arroganten, von sich überzeugten, wohlhabenden Geschäftsmann, der nicht ernsthaft mit einer Verurteilung rechnet. Henry wird glänzend von Werner Kolf gespielt, ein ausgebuffter Anwalt, ein Profi, und doch nicht immun gegen das unterschwellige Thema Rassenvorurteile. Mark Rietman gibt Lawson, seinen Compagnon. Auch er erfahren in Gerichtsangelegenheiten. Aber auch er nicht frei von rassistisch und sexistisch gefärbten Vorurteilen. Hervorragend sein Gesangsvortrag in einem Intermezzo, in dem er sehr erotisch vom Sex singt. Susan (Romana Vrede) ist eine attraktive Frau. Sie wehrt sich gegen unterschwellige sexistische Anmache und gegen die genaue Überprüfung ihrer Person durch Lawson, ehe sie in die Kanzlei aufgenommen wurde. Alles läuft immer wieder auf den Rassenkonflikt hinaus. Trotz des guten Willens, neutral zu sein, stehen die Vorurteile immer wieder im Vordergrund.

Ein überaus packender Abend mit einem exzellenten Ensemble und - last but not least – einer intelligenten Textvorlage.