Arc de Triomphe im Bochum, Schauspielhaus

„In kritischen Zeiten will man etwas Komfort haben.“

Eva Maria Remarques Roman Arc de Triomphe, ein weiterer Welterfolg nach Im Westen nichts Neues, erzählt die Geschichte des deutschen Arztes Ravic, der aus einem KZ geflohen ist und seit drei Jahren als Illegaler in Paris lebt. Er darf als Chirurg offiziell nicht praktizieren, weil sein Abschluss nicht anerkannt wird. Dafür übernimmt er illegal komplizierte Operationen für andere Ärzte und ist auf deren Gunst, auch in finanzieller Hinsicht, angewiesen. Nur allzu oft ertränkt er seine Verzweiflung in Calvados („Ohne Liebe ist man wie ein Toter auf Urlaub.“).Er lebt im Hotel International, wo man es mit den Papieren der Gäste nicht so genau nimmt. Auf einem seiner nächtlichen Streifzüge lernt er die Schauspielerin Joan Madou kennen. Es beginnt eine aussichtslose „amour fou“. Die beiden können nicht voneinander lassen und doch nicht zusammen leben.

Fabian Gerhardt, Schauspieler und Regisseur, schrieb zusammen mit Stefan Wipplinger die Bühnenfassung zu Remarques Roman und inszenierte sie auch. Wir erleben eine Abfolge zahlreicher Szenen, die das Paris der Enddreißiger und die Welt der dort lebenden Flüchtlinge anschaulich bebildert. Ort des Geschehens ist ein Nachtclub oder das Foyer eines schäbigen Hotels. Überall steht reichlich Alkohol zur Verfügung – zur Betäubung schmerzlicher Erinnerungen, als Droge des Vergessens. Bewegliche Glaskastenelemente erlauben schnelle Ortswechsel, wie zum Beispiel zum Spielort Krankenhaus. Swing-Musik betont die Stimmung dieser Zeit.
Ein aktuelles Thema – Flüchtlinge werden von Einheimischen kritisch und mit einer gewissen Portion „Futterneid“, könnten sie doch einem etwas wegnehmen, beäugt. Damals wie heute.
Ein bestechender Protagonist: Dennis Herrmann glänzt als sich cool gebender, jedoch innerlich zerrissener Emigrant. Kristina Peters spielt Joan als Mischung aus Möchte-gern-femme-fatale und einer jungen Frau, die sich nach einer festen, bürgerlichen Beziehung sehnt. Bernd Rademacher gibt den zunächst undurchsichtig wirkenden russischen Türsteher Morosow, der sich jedoch als wahrer Freund Ravics entpuppt. Günther Alt ist der skrupellose Arzt Veber, der, selbst nicht gerade ein begnadeter Chirurg, Ravics Notsituation hemmungslos ausnutzt. Jürgen Hartmann ist ein überzeugender Gestapomann, der sein ehemaliges Folteropfer Ravic nicht wiedererkennt. Ein insgesamt solide spielendes Ensemble, das auch die Nebenrollen mit Leben erfüllt und so die Geschichte anschaulich bebildert. Manche Regieideen, so Veronika Nickl als reichlich skurril auftretende Engelmacherin, sind nicht überzeugend.
Der Abend zieht sich, da viele Details – so der Zigarettentrick, mit dem Ravic gerne andere unterhält – sich sehr oft wiederholen. Zu viele Auftritte ähneln sich und sind vorhersehbar. Natürlich entspricht das den Situationen im alltäglichen Leben, erhöht auf der Bühne aber nicht gerade die Spannung.

Ein sehenswerter Abend, ein Theaterstück als Geschichtslektion. Ein anschaulicher Beleg, dass alles – eben auch die problematische Situation von Flüchtlingen, gestern wie heute - sich wiederholt. Insofern auch eine Lektion in Moral. Nicht mehr und nicht weniger.