Sophia, der Tod und ich im Schauspiel Essen

Der Tod als Komiker

Thees Uhlmann, geboren 1974 im Landkreis Cuxhaven, ist Musiker und Autor. 2015 erschien sein erster Roman Sophia, der Tod und ich. Erzählt wird die Geschichte eines namenlosen Protagonisten um die Vierzig, bei dem eines Tages der Tod vor der Tür steht, um ihn abzuholen. Er lässt sich nicht abschütteln, nimmt er doch seinen Job ernst. Doch dann klingelt es wieder und Sophia, die resolute und bodenständige Ex-Freundin des Protagonisten, steht vor der Tür, um mit ihm zu seiner Mutter zu fahren. Der Tod, ein sympathischer Typ mit Sinn für Humor, wie sich herausstellen wird, ist verwirrt. Hat er doch noch nie erlebt, dass ihm jemand bei der Ausübung seines Amtes in die Quere kommt. Obwohl er zu Beginn verkündet hat, er gäbe ihm nur drei Minuten, „um über alles nachzudenken“, lässt er sich darauf ein, mit zur Mutter zu fahren und dann gemeinsam mit ihr noch weiter zu dem siebenjährigen Sohn unseres Helden. Johnny lebt bei seiner Mutter, einer unsympathischen Millionärstochter, in Süddeutschland. Für die Reisegruppe werden die drei Tage zu einem äußerst harmonischen Ausflug.

Im Roman und natürlich auch in der Bühnenfassung erfahren wir den Tod als einen liebenswerten Kerl, der endlich das Leben kennenlernt und es genießt, zu tun, was er will. Sei es, ein paar Bier in einer Kneipe zu trinken oder zu dem Song „Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle?“ ausgelassen zu tanzen. Hat er doch zuvor immer nur den Vollstrecker gemimt, der von den um ihr Leben Bettelnden als „Rasenmäher der Endlichkeit“ gehasst und gefürchtet wurde. In der Essener Inszenierung glänzen Stefan Diekmann (als Held) und Jens Winterstein (als Tod im schwarzen Outfit eines Bestatters) als hervorragend aufeinander eingespieltes Duo. Schlag auf Schlag fallen die Pointen, ergänzen die beiden sich im humorvollen Schlagabtausch. Diekmann erzählt die Geschichte streckenweise, dann wieder folgen kurze Spielszenen.

Das Bühnenbild besteht aus einer recht skurrilen Welt mit großen und kleinen dreidimensionalen Postkarten. Schreibt unser Protagonist doch jeden Tag eine Postkarte an seinen Sohn. Eine zum Teil an einen Cartoon erinnernde, nicht realistische Darstellung, aber gerade darum gut zu dieser märchenhaften, unwirklichen Geschichte passend. Ein Abend, an dem man viel lacht – trotz des scheinbar unabwendbaren Endes.

Ingrid Domann spielt die toughe Mutter, die ihren erwachsenen Sohn immer noch wie einen kleinen Jungen behandelt, und die durchaus mit seinem ach so netten „Bekannten“ schäkert. Stephanie Schönfeld gibt die ironische und oft genervte „Ex“ mit polnischen Wurzeln. Sie kommentiert zum Beispiel das kindliche Vergnügen des Todes, mit dem er bei seiner ersten Zugreise alles erkundet, mit einem knappen „irgendwo zwischen Autismus und Tourette“.

Am Ende – die Zeit ist abgelaufen und der Protagonist hat endlich seinen Sohn (rührend: Aron Gergely) wiedergesehen – bleibt offen, ob der Tod nun doch seinen Auftrag vollstreckt. Er beginnt damit, dann aber erlischt das Licht.

Auf jeden Fall ein lohnenswerter Abend mit einem hervorragenden Ensemble (zu nennen ist noch Jan Pröhl als zweiter „Konkurrenz“-Tod) und – vor allem – einem zwar irrationalen, aber erfrischenden Zugriff auf ein ernstes Thema.