Golden Girls im Köln, Theater am Dom

Ausgelaugte "Golden Girls"

Oliver Durek, Chef des Kölner „Theater am Dom“ hat eigentlich eine feine Nase für erfolgreiche Boulevardstücke; so waren die letzten Produktionen, allen voran der Pantoffelpanter mit Jürgen Busse praktisch immer ausverkauft. Diesmal hat wohl ein heftiger Schnupfen sein Riechorgan verstopft – die Entscheidung für Golden Girls, das letzte Stück der Saison 16/17, war alles andere als glücklich. War das nicht eine alte amerikanische Fernsehserie ab 1985 , eine sogenannte. Sitcom, mit halbstündigen originellen Episoden über das Alltagsleben einer Seniorinnen-WG in Miami, gedreht im Studio und mit eingespielten Publikumslachern und Applaus ? Die ab 1990 im Deutschen TV synchronisiert noch ewig lief und auch zahlreiche Anhänger hatte? Von den früheren Fans mögen aus alter Verehrung etliche ins Theater gekommen sein (und sich teilweise in der Pause verdrückt haben), denn zu lachen gab es herzlich wenig.

Das lag zum einen an den reichlich runtergeleierten Dialogen; diese Schauspieltruppe reist mit dem Stück seit langem durch die ganze Republik, als reines Tourneetheater oder auch mal für 2-3 Monate an einem festen Haus wie jetzt in Köln. Das Leben als Schauspieler ist nicht einfach, wenn man wie hier über viele Jahre immer dasselbe Stück mit denselben Kollegen spielt, nur – das darf man nicht spüren; jeder Abend muss eigentlich genauso spannend sein wie die Premiere. Und wenn dann auch noch abgestandene Uralt-Witze gebracht werden etwa über Heiminsassen, die - um nicht nachts aus dem Bett zu fallen – Viagra bekommen oder pünktlich um 7:00 Uhr pinkeln müssen, aber erst um 8:00 aufwachen, ist das schon hochgradig peinlich.

Die Schauspielerinnen Gudrun Gabriel, Vikotoria Brams und Kerstin Fernström, die für ihre Rollen noch ein wenig jung sind, wurden zwar mit Auftrittsapplaus des offensichtlich sachkundigen Premierenpublikums begrüßt, aber der Versuch, die „TV-Originale“ nachzuahmen, kann eigentlich nicht klappen. Kaum ein roter Faden, zu lange Umziehpausen trotz schöner Kostüme von Kiki de Kock, die allerdings mit fetziger Musik überbrückt wurden, statt spritziger und galliger Dialoge überwiegend müde Pointen – die zwei Stunden zogen sich hin. Hilfreich wäre es auch gewesen, die originalen Texte auf die Jetzt-Zeit aufzupeppen und die Probleme des Alterns, vom Senioren-Sex, von Drogen, Tablettensucht oder von heimlichen Leidenschaften aktuell aufzufrischen. Am originellsten agierte noch Anita Kupsch als quirlige Sophia mit originellen Sprüchen, wenn sie denn akzentuierter sprechen würde. Auch der Dreh im Wohnzimmer für eine Pizza-Werbung mit dem italienischen, deutsch radebrechenden „Regisseur“ Karl-Heinz von Hassel, der im Stück mehrere kleine Rollen spielte, war reichlich überdreht; er sorgte aber immerhin für etwas Abwechslung in der eintönigen Folge der kurzen Episoden.

Natürlich wurde einer der älteren Herren unter den Zuschauern ordentlich angebaggert, und auch Max Schautzer, leibhaftig unter den Zuschauern, musste als „Don Donson“ dran glauben. Das „Schlussballett“ der alten Damen, vom Publikum heftig mitbeklatscht, war eher albern als originell; der Applaus hielt sich daher in Grenzen, zumal sich - ganz unüblich - weder der Autor noch der Regisseur zeigten. Die hatten nach jahrelanger Spielzeit dieses Stücks dazu wohl keinen Bock mehr. Vielleicht überlegen sie sich auch gerade, das Schauspielerteam mal auszuwechseln.