JackPott – eine Reise zu den RuhrBühnen im Bochum/Essen/Mülheim

Mit den Ruhris zu den RuhrBühnen

Im August 2016 hatten sich elf öffentliche Bühnen in neun Städten des Ruhrgebiets zusammengeschlossen, um sich städteübergreifend stärker zu positionieren, ihre Marketing-Aktivitäten zu bündeln und bei aller Konkurrenz die Vielfalt ihres gemeinsamen Angebots in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Ein gutes Jahr später präsentierte dieses Netzwerk nun sein erstes großes Projekt: In 24 Bussen wurde ein neugieriges Publikum einen ganzen Tag lang durch den Pott kutschiert. Sechs verschiedene Touren boten jeweils ein unterschiedliches Programm: Die Zuschauer erwarteten Blind Dates mit jeweils drei Ruhrgebiets-Theatern – erst wenn sich die Türen des Busses öffneten, wusste man, wer in der nächsten Stunde Gastgeber sein würde. 1100 Tickets waren in kürzester Zeit ausverkauft, und ein ungewöhnlich heterogenes, allerdings wie immer in unseren Theatern vorwiegend älteres Publikum wartete in gespannter Erwartung an der Bochumer Jahrhunderthalle auf die Abfahrt. Der Schreiber dieser Zeilen hatte bei der Verlosung des JackPotts „Tour 2“ gezogen. Es war die Tour, die offenbarte, dass die Organisatoren nicht an ihre Zielgruppe gedacht hatten.

Mal verkopft, mal banal – und musikalisch und performativ überzeugend: „Hagar“ (Regie: kainkollektiv [Fabian Lettow/Miriam Schmuck], Ausstattung: Zdravka Ivandija Kirigin, Musik: Rasmus Nordholt-Frieling; Premiere der Urfassung 29. Juni 2017 in Bochum, besuchte Aufführung in zwei Teilen am 1. Oktober 2017 am Schauspielhaus Bochum und im Ringlokschuppen Mülheim)

„Tour 2“ begann gleich um die Ecke: Wenige Minuten von der Jahrhunderthalle entfernt liegt das Schauspielhaus Bochum, und dort hatte zum Ende der vergangenen Spielzeit Hagar ihre Premiere gefeiert – eine „Globe Opera Performance“ von kainkollektiv. Die vielleicht renommierteste freie Theatergruppe des Ruhrgebiets hatte für diese Produktion nicht nur mit dem Schauspielhaus Bochum, sondern auch mit dem Ringlokschuppen Mülheim kooperiert, dem sie seit ihren Anfängen verbunden ist. Hagar dauert zwei Stunden, und für die „JackPott“-Reise hatten die Spielstätten nur zwischen 60 und 80 Minuten zur Verfügung. kainkollektiv teilte also die eigene Performance mit dem Seziermesser in einen vorwiegend informativen und einen vorwiegend performativen Teil auf und siedelte den einen in Bochum, den anderen in Mülheim an. Die dafür erforderlichen – vermutlich massiven – Veränderungen der Struktur der Performance dürften dieser nicht gutgetan haben, obwohl sich Fabian Lettow und Miriam Schmuck, die Impresarios, Vordenker und Inszenatoren des kainkollektivs, alle Mühe gaben, auch den informatorischen Teil unterhaltsam zu gestalten. Vom performativen Teil, den „Tour 2“ in der zweiten Station besuchte, hätte man wiederum nichts verstanden, wenn es Teil 1 nicht gegeben hätte.

Genau so begründet Fabian Lettow, was er zum Auftakt unserer Reise tut: „Wer kennt schon die Geschichte von Hagar?“, fragt er – und der Rezensent gibt zu: Er kannte sie nicht. Hagar ist je nach Überlieferung eine Pharaonentochter oder eine Magd Saras, der Gattin des Urvaters Abraham. Gott verheißt Abraham im Traum, dass das gesamte Land zwischen Euphrat und Ägypten später von seinen Nachkommen besiedelt sein wird. Der mag das kaum glauben, ist doch seine Frau Sara unfruchtbar. Vergeblich springt das uralte Paar in die Kiste, bis Sara Abraham vorschlägt, es doch mal mit der Magd Hagar zu probieren. Und siehe: der Verbindung entspringt Ismael. Das folgenreiche Techtelmechtel des 86jährigen mit seiner Nebenfrau führt zu Eifersüchteleien, und Hagar guckt hochmütig auf die zeugungsunfähige Sara herab. Erneut schaltet man Gott ein, und der lässt sich überreden, auch Sara noch ein Kind mit Abraham zu schenken. Die ist inzwischen über 90 Jahre alt, Abraham geht stracks auf die 100 zu, aber der Zeugungsakt gelingt. Man nennt den neuen Sohn Isaak – aus ihm sollen, so prophezeite der Herr, Völker und Könige hervorgehen. Da Abraham und Sara nun aus eigenen Lenden haben, was sie wollen, schicken sie Hagar und Ismael in die Wüste. Wider jegliche Erwartung und nur mit Gottes Hilfe überleben die beiden. Sie wandern aus nach Ägypten. Die Halbbrüder werden zu Mitbegründern großer Stämme und Religionen: Ismael gilt im Islam als Stammvater und Prophet, die jüdische und die christliche Religion berufen sich auf Isaak.

Johanna Eiworth und Veronika Nickl, Ensemble-Mitglieder des Schauspielhauses Bochum, sitzen in der „JackPott“-Fassung des kainkollektivs auf zwei Tennisschiedsrichterstühlen und erzählen abwechselnd, unterbrochen von den übrigen Performern sowie von den höchstpersönlich anwesenden Fabian Lettow und Miriam Schmuck, die Geschichte in aller Ausführlichkeit. Das wird sich später im Ringlokschuppen auszahlen, hat zunächst aber Längen. Passagen des Textes wie die minutenlange Lesung der gesamten Genealogie entfalten aber geradezu magische Wirkung – ebenso wie viele der musikalischen Beiträge: Die wunderbare Sopranistin Kerstin Pohle, die uns mit jüdischem und christlichem Liedgut verzaubert, sowie der nicht minder wunderbare Sänger Issam Bayan, der in seinen viel zu seltenen Soli die Rollen eines jüdischen Rabbis und eines arabischen Imams zu vereinen scheint, haben großes Charisma und spirituelle Kraft. Der Bochumer Kinderchor, der für weitere musikalische Beiträge verantwortlich zeichnet, ist erkennbar aus jungen Sängerinnen und Sängern verschiedener ethnischer Herkunft zusammengesetzt. Allein die Musik und die Auswahl der Akteure stehen also bereits für das Plädoyer eines Miteinanders der drei Religionen, die alle auf den Stammvater Abraham zurückgehen.

Um das zu verstehen, hätte es der ironischen Kommentare zur JackPott-Veranstaltung oder der im Jelinek-Ton geschriebenen assoziativen Texte und Kalauer zu Ausgrenzung und Ausgewähltsein, die letztendlich beim AfD-Oberjäger Gauland enden, kaum bedurft. Der Jelinek-Tonfall wird gut getroffen, die Texte jedoch reichen an die der unübertroffenen Elfriede nicht heran. Nicht bedurft hätte es möglicherweise auch des Schlussappells für einen Glauben an die „Eine Welt“ – wir hatten das eh begriffen. Dieser erste, informative Teil der Performance hatte eine überzeugende Message, aber wenig theatrale Qualitäten. Es war Sonntagmorgen, und phasenweise fühlte es sich an, als sei man im Sonntagsgottesdienst. Aber der Applaus von „Tour 2“ war groß und langanhaltend.

Im Ringlokschuppen zeigte man uns eine Stunde später, wie das kainkollektiv aus solchem Stoff eine überzeugende Performance macht. Durch die strukturellen Umstellungen fehlten nun möglicherweise verbindende Erläuterungen, aber kainkollektiv ist ohnehin dafür bekannt, dass es dem Zuschauer gern anstrengende Denkarbeit abverlangt. Die Grundlagen zum Verständnis hatten die Performer ja bereits in Bochum gelegt. Jetzt wird deutlich, was die Performer versprochen haben: eine aktuelle Überschreibung der abrahamitischen Urgeschichte. In einer höchst assoziativen Collage aus Sprache, Gesang und Tanz, aus expressivem Körpertheater und Pantomime blicken wir auf die überlieferte Geschichte der Hagar ebenso wie auf die biografischen Erfahrungen, Hintergründe und Brüche der Performer. Issam Bayan singt so großartig wie zuvor im Schauspielhaus. Catherine Jodoins tanzt als Engel durch die Geschichte, Antoine Effroy gibt den Urvater Abraham in Sprache und Choreographie; Kerstin Pohle mit ihrer porentief reinen Stimme und der Countertenor Florian Lauss bereichern den musikalischen Teil der Aufführung durch berührend gesungene Arien aus Alessandro Scarlattis Agar et Ismaele Esiliati. Hagar ist gleich vierfach besetzt: Neben Kerstin Pohle aus Wanne-Eickel wird die Titelfigur von der katholisch sozialisierten Kristina Peters, der von einem persischen Vater abstammenden Simin Soraya und der gebürtigen Kamerunerin Edith Voges Nana Tschuinang dargestellt. Erneut ist bereits das Besetzungskonzept ein Plädoyer für die „Eine Welt“. Eine der Performerinnen schlägt zur Lösung religiöser Konflikte die Rückkehr zum Polytheismus vor: Die Koexistenz verschiedener Götter sei geeignet, Konflikte zu vermeiden. Doch mit großer Sicherheit plädiert Bianca Künzels Sara für den monotheistischen Ansatz – für den einzigen christlichen, jüdischen Gott, der ja eigentlich auch der muslimische ist. Gemeinsamer Tanz zu afrikanischen Rhythmen steht neben jüdischen und arabischen Liedern, und in Erzählungen aus dem Reiche der Pharaos spiegeln sich Erfahrungen und Bedrohungsszenarien unserer heutigen Welt: Terror, Aufstände, die Zerstörung einer Hochkultur – einer schwarzen Hochkultur, an die sich heute viele nicht mehr erinnern wollen.

Solche Überschreibungen gelingen nicht immer überzeugend. Die von Sara ausgelöste Diskussion, ob die Attraktivität der Frau mit deren Potential zum Kinderkriegen zusammenhängt, erscheint ein wenig blödsinnig, und das daraus resultierende Gespräch über künstliche Befruchtung und kinderlose Beziehungen schwankt zwischen trockenem Sachbuchwissen und Banalitäten. Aber das kennen wir von der häufig etwas verkopften Truppe des kainkollektivs, und wir sehen gern darüber hinweg, wenn die performativen Elemente so überzeugend sind wie diesmal. Unter dem Strich hat die Gruppe nicht nur eine den meisten kulturinteressierten Theaterbesuchern ohnehin selbstverständliche Message platziert, sondern ihr ist eine überzeugende Hommage an die vergessene Religionsgründerin Hagar gelungen. An die erste Frau, die Gott einen Namen gab – und an die erste alleinerziehende Mutter.

Kabarett und Subversion, Dystopie und Wortwitz: „Tomorrow’s Parties“ von Forced Entertainment bei PACT Zollverein (Regie: Tim Etchells, Bühne: Richard Lowdon; Premiere 24. Juni 2011 beim Belluard Bollwerk International Festival Fribourg/Schweiz, besuchte Aufführung anlässlich der JackPott-Reise am 1. Oktober 2017 bei PACT Zollverein Essen

Schade, dass wir Hagar nicht in der Originalfassung sehen durften – diese fällt sicher ausgewogener aus als die strukturell problematischen, neu zusammengesetzten beiden Einzelteile. Die „JackPott“-Reisegesellschaft, die sich aus einem heterogenen Theaterpublikum aus Musical-Fans und amüsierwilligem Boulevard-Publikum, anspruchsvollen Opern- und Konzertbesuchern sowie einer gehörigen Zahl an Event-Touristen zusammensetzte, hatte mit den verkopften, experimentell orientierten Performern des kainkollektivs keine leichte Kost geboten bekommen. Aber für „Tour 2“ kam es noch schlimmer. Es ging haarscharf vorbei am Schauspiel Essen, wo die erfolgreichen, wenn auch vom Autor dieser Zeilen nicht allzu sehr goutierten Pussy Riots (siehe hier) gezeigt wurden, die der Mehrzahl der Tour-Teilnehmer sicher gut gefallen hätten. Stattdessen kehrten wir bei PACT Zollverein ein. PACT präsentierte die größten Stars, die man auf dieser Reise in einem der zehn partizipierenden Theater erleben konnte. „Forced Entertainment“, im Jahre 2016 mit dem höchstdotierten europäischen Theaterpreis, dem Ibsen-Preis, ausgezeichnet, produzieren seit einigen Jahren in Essen, und sie sind der ganze Stolz des PACT. Aber ihre Theatersprache ist erstens englisch und zweitens eigenwillig. Ersteres beherrschten viele der Reiseteilnehmer nicht, und bei Letzterem mochten sich manche nicht beherrschen. So wurde Tomorrow’s Parties, die unterhaltsamste und subversivste Show der von der internationalen Presse hochgejazzten Engländer, die ich bislang sah, zum Desaster.

Cathy Naden und Robin Arthur arbeiten in Tomorrow’s Parties mit den Theatermitteln, für die „Forced Entertainment“ bereits seit 30 Jahren bekannt sind. Also mit gar keinen: Sie stehen auf zwei kleinen Euro-Paletten und reden. Über ihnen blinkt eine Lichterkette wie aus einem Vaudeville-Theater, aber Theater gibt es nicht. Dafür gibt es ungeheuerliche Inhalte – wenn man denn bereit ist, sie zu hören. Naden und Arthur entwerfen Zukunftsvisionen. Künftig, so beginnt Arthur, wird es keine Nationalstaaten mehr geben. Die Welt wird ähnlich organisiert sein wie die Vereinten Nationen, aber die Vereinten Nationen gibt es auch nicht mehr, weil es ja keine Nationen mehr gibt. Schon dieser erste Satz hat einen gewissen absurden Witz. Naden aber hält Arthurs Utopie eine eigene Version entgegen: eine Welt voller feudaler Kleinststaaten, in der jedes Dorf seinen König hat, der von einer Armada von Beratern umgeben ist. Und dann wird es immer absurder: Vielleicht gibt es eine „Push Button Democracy“, in der jeder Mensch gleichberechtigt per Knopfdruck über politische und private Angelegenheiten entscheidet. Oder die Menschen leben überhaupt nicht mehr zusammen; es gibt nur noch versprengte einzelne Exemplare. Oder nur noch Tiere. Oder nur noch Pflanzen oder Felsen „under distant suns“.

Was immer einer der beiden Performer vorschlägt: der andere hat ein Gegenbeispiel dafür. Es wird immer verstiegener; Witz, Romantik und Dystopie wechseln einander ab. Die Fallhöhen sind gewaltig, und es empfiehlt sich, genau zuzuhören, um die kleinen Sprachspiele („in the future, everybody will live in the present“), den schwarzen und manchmal atemberaubend subversiven Humor nicht zu verpassen. Emotionslos, sachlich und bedenkenlos assoziativ reihen die Performer die absonderlichsten Zukunftsszenarien aneinander. Dabei zeigen sich durchaus unterschiedliche Charaktere: Robin Arthur erzählt seine hanebüchenen Geschichten mit gespieltem Erstaunen, Cathy Naden kaut geradezu genüsslich auf den absonderlichsten Dystopien. Arthur und Naden sind grandios absurde Zukunftsforscher – und doch sprechen sie alle Ängste des 21. Jahrhunderts und alle Problembereiche unserer Welt an: Überbevölkerung und Kriege (die vielleicht als Sport-Event mit Ligatabellen ausgetragen werden, aber nichtsdestoweniger brutal sind), soziale Missstände, die Dominanz oder das Scheitern der Technik – you name it, es kommt zumindest auf eine versteckte Art vor. Manchmal spielen die Performer bösartig mit unseren Vorurteilen: „In the future“, so überlegen sie, gibt es vielleicht keine Medizin mehr. Wenn sie ihr natürliches Ende erreicht haben, werden die Menschen einfach ausgeweidet - „or people start to demigrate back to Africa…“.

Das ist Rassismus pur, aber es wird so unschuldig dahergesagt, dass es ein paar Sekunden dauert, bis wir uns der politischen Unkorrektheit bewusst werden. Zum Lachen oder zur Empörung haben wir kaum Zeit, denn schon folgt die nächste Pointe. Wenn Arthur oder Naden den Gedanken ihres Paletten-Nachbarn weiterspinnen, wenn die eine Dystopie mit der nächsten gekontert wird, geraten Vorstellungskraft und Phantasie des Zuschauers ins Taumeln. Aber er muss schon zuhören. Er muss willens sein, die Subversion aufzuspüren, den bösartigen Witz einzufangen. Es kann auch nicht schaden, wenn man weiß, dass die von Aufführung zu Aufführung wechselnden Mitglieder der Truppe nach wie vor improvisieren, dass das Überraschen des Spielpartners zur Technik gehört, um die Konzentration hochzuhalten. „In the future“, sagt Naden einmal, „people may stop to be able to listen.“

Ein paar Leute lachten: Diese Zukunft war bereits eingetreten. Der weit überwiegende Teil der „JackPott“-Reisenden war nicht bereit, sich auf die Performer einzulassen. Es wurde gehustet, geredet, und über mindestens 65 der 80 Minuten verließen Zuschauer über knarrende Dielen den Zuschauerraum. Sie nahmen den Interessierten jede Möglichkeit zur notwendigen Konzentration. Langweilig sei das, behaupteten die meisten Zuschauer später, das sei kein Theater, solche Gesprächssituationen könne man selbst im heimischen Wohnzimmer mit der Familie produzieren. Natürlich können sie das nicht, denn sie haben ja gerade bewiesen, dass ihnen dazu Intelligenz und/oder Anstrengungsbereitschaft fehlen. Statt mit „Forced Entertainments“ Subversion reagierten sie mit Plattheiten.

Im Vier- oder Sechs-Augen-Gespräch allerdings zeigten sich alle versöhnlich. Natürlich ist „Forced Entertainment“ etwas für Experten. Ihre Theatersprache spricht selten den Event-Touristen oder den Gelegenheits-Theatergänger an. Diese – herausragende – Vorstellung mit der experimentellen Truppe von kainkollektiv in einer Tour zusammenzubinden, ist von einer unverzeihlichen Gedankenlosigkeit und zeugt von einem Realitätsverlust der künstlerischen Leitung der Tour-Organisation: Neues Theaterpublikum gewinnt man so nicht, und das erfahrene braucht man über solche Touren nicht zu gewinnen. Andererseits sollte man von Menschen, die eine Überraschungsreise buchen, erwarten, dass sie in der Lage sind, 80 Minuten einer nicht gefallenden Aufführung gelassen über sich ergehen zu lassen und Rücksicht auf das übrige Publikum zu nehmen.

Fazit

Die Initiative des Regionalverbands Ruhr und der RuhrBühnen erwies sich dennoch als voller Erfolg. Bei einem gemeinsamen Dinner aller 1100 Zuschauer und der beteiligten Künstlerinnen und Künstler in der Jahrhunderthalle stellte sich heraus: Unzufriedenheit gab es fast nur in „Tour 2“. Andere Touren waren ausgewogener zusammengestellt. Da war dem einen die Musical-Show im Musiktheater im Revier zu seicht und dem anderen die „Nazi-Horror-Boulevard-Dramödie“ von Mario Salazar im Theater Oberhausen (Schimmelmanns – Verfall einer Gesellschaft) zu anspruchsvoll, aber unter dem Strich stimmte die Mischung. Fast alle Befragten wollen im nächsten Jahr wiederkommen. Und in einem war das bunt gemischte Reisevölkchen mit der Heerschar nordrhein-westfälischer Theaterkritiker einig: The Winner Is … Dortmund. So wie die Theaterkritik regelmäßig das Schauspiel Dortmund zum NRW-Theater des Jahres wählt, so war auch bei der „JackPott“-Reise der eindeutige Sieger einer nicht repräsentativen Publikumsumfrage durch den Schreiber dieser Zeilen: Die Schwarze Flotte von Anne-Kathrin Schulz, Regie Kay Voges, Theater Dortmund.