Ende gut, alles gut im Bochum, Schauspielhaus

Rollentausch in mehrfacher Hinsicht

Ende gut, alles gut, eines der seltener gespielten Stücke von William Shakespeare, gehört zu den „dark comedies“, die nicht eindeutig nur der leichten Unterhaltung zugeschrieben werden können. Gibt es doch hier durchaus „elements of darkness and tragedy“, die die romantischen und komödiantischen Züge ergänzen.

Shakespeare lässt Helena, verwaiste Tochter eines berühmten Arztes, sich unsterblich in den Sohn Bertram der Gräfin von Roussillon verlieben. Doch der hat andere Ziele, für Helena empfindet er nichts, zudem ist sie nicht adlig. Ein Manko in seinen Augen.

Robert Schuster hat in seiner Inszenierung die Geschlechterrollen in doppelter Hinsicht vertauscht. Aus Helena wird Paris, gespielt von Raphaela Möst. Bertram verwandelt sich in Brigitte, verkörpert von Daniel Stock. Dieser Perspektivenwechsel zieht sich durch die ganze Produktion. Im Original gelingt es Helena, dank einer Arznei ihres Vaters den schwer kranken König zu heilen, der ihr zum Lohn gestattet, sich einen Ehemann auszusuchen. In der Bochumer Fassung setzt auch Paris darauf, seinen Wunschkandidaten, bei der - hier natürlich - Königin (wunderbar: Günter Alt) durchzusetzen. Bertram alias Brigitte entzieht sich der Zwangsehe, indem er/sie in den Krieg zieht. Schusters Grundkonzeption folgend besteht der Hof nur aus Frauen, die das Sagen haben. So ein Personalscout der Königin (höchst vergnüglich: Thomas Mehlhorn), Coco und Chanel, zwei französische Adlige (Roland Riebeling und Christopher Heisler). Sie treten auch als Soldatinnen auf, die mit silbernem Glitzerrucksack leicht affektiert in die Schlacht ziehen. Ronny Miersch glänzt als Parolles, eine recht zickige Dame mit Swarovski-Schmuck und -Handtäschchen. Der Rollen- und Geschlechtertausch sorgt für durchaus amüsante Aspekte. Wenn jedoch der Abend aufgepeppt wird durch Formulierungen und Begriffe von heute (Thermomix, Induktionsherd), Wortspiele („zur Sache, Schätzchen“) oder Schmähungen („Fotzenkrieg“, „nichtswürdige Schlampen“), so bringt das nichts. Im Gegenteil. Die Intention des Regisseurs, der auch für die Textfassung dieser Inszenierung mit verantwortlich zeichnet, ist auch so schnell klar.

Es ist ein amüsanter Ansatz, das gewohnte Geschlechterverhältnis auf den Kopf zu stellen. So zum Beispiel, wenn eine Geisha (Jürgen Hartmann), als Närrin dem Grafen von Roussillon (Bettina Engelhardt) zu Diensten, vulgäre Sprüche von sich gibt, dagegen der smarte junge Mann Giovanni (Therese Dörr) ungewohnt brav erscheint. Wenn Coco und Chanel sich als Männer verkleiden und verhalten (so wie sie das sehen), ist dies sehr komisch. Dennoch erlahmt das Interesse des Zuschauers relativ rasch, ist doch die Intention des Gendertauschs ziemlich schnell evident. Und manche Darstellungsweise lässt an Charlys-Tante-Filme denken (Coco und Chanel) oder an Pippi Langstrumpf (Brigitte mit ihren langen, roten Locken und dem sehr mädchenhaften, blauen Kleid verführt von ihrem Aussehen her zu dem Vergleich). Raphaela Möst spielt ihre Rolle sehr überzeugend. Problematisch ihre geringe Körpergröße, die vielleicht den gewünschten Aha-Effekt unterstreichen soll, es aber erschwert, in ihr den jungen Paris zu sehen.

Das Bühnenbild (Jens Kilian) ist grandios. Ein schlichter, breiter Kreis mit flexiblem Innenrund. Es erlaubt verschiedene Einblicke (zum Beispiel in den Thronsaal der Königin) und einen schnelleren Szenenwechsel.

Insgesamt eine Inszenierung, die durch das spielfreudige Ensemble gewinnt, nicht jedoch Shakespeares Ansatz bedeutend auffrischt.