Don Quijote im Köln, Schauspiel

„Nackt bin ich heut, nackt ward ich geboren, hab nichts gewonnen und nichts verloren.“

Miguel de Cervantes, geboren 1547 als viertes von sieben Kindern, erzählt in seinem umfangreichen Roman Don Quijote de la Mancha in zwei Teilen die Geschichte des verarmten Landjunkers Don Quijote, bekannt auch als Ritter von der traurigen Gestalt. Nach der Lektüre zahlreicher Ritterromane, die sich in der spanischen Renaissance großer Beliebtheit erfreuten, beschließt er, nach Art der fahrenden Ritter auszuziehen. Don Quijote ist eine tragisch-komische Gestalt, die Abenteuer besteht, wo es nichts zu bestehen gibt. Windmühlen hält er für Riesen, Herbergen für Schlösser, ein einfaches Bauernmädchen für seine vornehme Herrin. Er ist ein Opfer seiner Lesesucht. Vielleicht auch ein Held, weil er ohne Rücksicht auf sein eigenes Wohl für Werte wie Zivilcourage, Gerechtigkeit und Unabhängigkeit kämpft.

Regisseur Simon Solberg hat 2007 Don Quijote schon einmal inszeniert - in der Nebenspielstätte des Schauspiels Frankfurt. Damals wie heute im Kölner Schauspielhaus mit einer Kombination von Film und Roman. Stefko Hanushevsky ist ein ganz und gar nicht ritterlich aussehender Don Quijote. In seinem grauen Bademantel oder Kittel erinnert er an den TV-Comedian Olli Dittrich. Nikolaus Benda als Sancho Pansa überragt ihn um einiges und das entspricht so gar nicht dem hergebrachten, traditionellen Bild vom großen, dünnen Ritter und kleinen, dicken Knappen. Quijotes Stute Rosinante ist ein Autoreifen, Sancho Pansa „reitet“ auf einem LKW-Reifen. Warum nicht? Geht es doch in dieser Geschichte um die Macht der Fantasie und um die eigenen Träume. Solberg lässt Tagebaubagger (im Kleinformat) die Windmühlen ersetzen. Wenn Don Quijote scheinbar von einem Windmühlenflügel mitgerissen wird, hängt er an seinem Seil und wird im Kreis geschleudert. Stroboskopblitze erleuchten das Dunkel. Ein beeindruckendes Bild.

Annika Schilling (Teresa), Bejamin Höppner (Pfarrer) und Justus Maier (Barbier) geben das Team, das Don Quijote von seinem Ritterwahn heilen will. Alle drei schlüpfen sie je nach Episode auch überzeugend in andere Rollen. So Schilling als Prinzessin Leia, Maier als Roboter und Höppner als Chewbacca in einer an Star Wars orientierten Szene - oder lesen Textpassagen aus dem Roman vor. Die Bühne bietet ein Konglomerat an Requisiten. Musikeinspielungen, unter anderem aus Game of Thrones oder den Winnetou- Filmen schaffen den Bezug zu heutigen Fiktionen. Auch Videos dürfen nicht fehlen. Wobei man sich zuweilen fragt, wozu es gut ist. So zum Beispiel ein kurzer Film, der kopulierende Schimpansen zeigt.

Die Spielfreude des Ensembles ist beeindruckend und überzeugend. Durch eingestreute Lesepassagen werden Bühnengeschehen und Buchvorlage verquickt. Insgesamt ein interessanter, überaus ideenreicher, wenn auch manchmal sehr überladender Vergleich des Ritters von der traurigen Gestalt mit Helden von heute.