The Taming of the Shrew im Globe Theatre Neuss

„And let us on your imaginary forces work.“ Henry V, Shakespeare

Zum diesjährigen Shakespeare Festival im Globe in Neuss reiste u.a. die Truppe des Londoner Globe an, Shakespeare’s Globe on Tour. Im Gepäck drei Werke des Dichters: The Taming of the Shrew, The Merchant of Venice und Twelfth Night. Anknüpfend an eine Tradition aus Shakespeares Zeit, wo kleinere Gruppen von Schauspielern über Land zogen und nur eine begrenze Anzahl von Stücken aus dem Repertoire dem Publikum zur Auswahl stellten, treten auch in Neuss acht Akteure (vier Frauen, vier Männer) vor das Publikum und fordern es auf, zu entscheiden, welches Stück gespielt werden soll.
Der Einzug des Ensembles auf die Bühne gestaltet sich turbulent-musikalisch. Den Zuschauern wird glaubhaft versichert, dass es aufregend sei, dessen Meinung zu erfahren („very exciting and frightening“). An diesem Abend wählt das Publikum durch Klatschen, Rufe und Fußgetrampel The Taming of the Shrew. Der Widerspenstigen Zähmung ist eines der frühesten Werke Shakespeares, vermutlich um 1590/91 geschrieben. Die Haupthandlung, die Zähmung einer widerspenstigen Frau, war zu jener Zeit ein weit verbreitetes Thema.

Baptista, einer der Honoratioren von Padua – hier spielt das Stück -, hat zwei Töchter. Bianca, die Jüngere, ist von Verehrern umschwärmt, wohingegen die scharfzüngige, halsstarrige Katharina alle abschreckt. Baptista entscheidet jedoch, dass Bianca erst heiraten darf, nachdem ihre Schwester unter die Haube gekommen ist. Petrucchio kommt nach Padua auf der Suche nach einer reichen Braut und nimmt, von sich überzeugt (“when two raging fires meet“), die Herausforderung an, Katharina zu zähmen. Nachdem Baptista seinen Segen gegeben hat, heiratet er die Geschockte, die gar nicht weiß, wie ihr geschieht, und nimmt sie mit in sein Landhaus, wo er den „Zähmungsakt“ beginnt.

Shakespeare führt uns in diesem Stück alle möglichen Formen der Liebe vor. Liebe, die frei ist – Liebe, die falsch ist – eifersüchtige Liebe – die egozentrische Liebe eines Vaters, der seine Tochter verkauft. Und inmitten dieser Mischung entwickelt sich eine Beziehung zwischen Petrucchio und Katharina, wobei es der Interpretation überlassen ist, welcher Art ihre Liebe ist.

Die Schauspieler spielen fast alle mehrere Rollen, wobei Männer auch Frauenrollen übernehmen und umgekehrt. Das äußerst lebendige und temporeiche Spiel passt wunderbar zu dieser Komödie. Musikalische Einlagen ergänzen die Inszenierung ideal und reißen das ohnehin schon begeisterte Publikum zu Sonderbeifallsbekundungen hin. Das augenzwinkernde Spielen verleiht dem Ganzen etwas Leichtes, alles ist nie so ganz ernst gemeint. Die Schauspieler sind allesamt nur zu loben, begeistern sie doch die Zuschauer von Anfang an. Erstaunlich zum Beispiel der Spagat, den Sarah Finigan bewältigt. Einerseits gibt sie die schüchterne, mädchenhafte Bianca mit einem Blumenkranz im Haar, dann Petrucchios schnoddrig-kessen Diener Grumio. Rhianna McGreevy überzeugt als halsstarrige Kate (wozu ihr flammend rotes Haar exzellent passt) ebenso wie als zum Ende hin Geläuterte: „Thy husband is thy lord, thy keeper.“ Ihr ebenbürtig Colm Gormley als rabaukiger Petrucchio.

Theater im allerbesten Sinne! Nach einem Tango zum Schluss tobt der Saal. Zu Recht!