Was ihr wollt im Neuss, Rheinisches Landestheater

Gefühlswirrwarr

Was ihr wollt gehört zu den verwirrendsten Komödien Shakespeares. Irrungen, Verwechslungen, Maskeraden bestimmen das Geschehen, welches zugleich eine äußerst sentimentale Liebesgeschichte erzählt. Wir sind in Illyrien, einem Ort der Muße.

Nach einem gewaltigen Sturm, der ihr Schiff zerschmetterte, werden die Zwillinge Sebastian und Viola an die Gestade Illyriens gespült. Jedoch weiß keiner von der Rettung des anderen und so glauben sie sich gegenseitig verloren.

Viola verkleidet sich als junger Mann und nennt sich Cesario. Sie tritt in die Dienste des Herzogs Orsino, in den sie sich rasch verliebt. Orsino selbst liebt Olivia, die wiederum ihr Herz an Cesario, den vermeintlichen Jungen, verliert. Die Erlösung und Beglückung der in ihrer Liebe Verwirrten wird durch Sebastian, Violas Zwillingsbruder, der ihr bis aufs Haar gleicht, ermöglicht.

Sir Toby Belch und Sir Andrew Bleichenwang, zwei Saufkumpane, die es sich in Olivias Haus gemütlich gemacht haben, gehören zum weiteren Personal dieser Komödie. Ebenso wie Olivias sich moralisch aufplusternder Haushofmeister Malvolio, der eine sehr hohe Meinung von sich selbst hat. Unter Führung der munteren Zofe Maria spielen ihm die beiden Trunkenbolde einen bösen Streich, vor dem ihm etwas mehr Selbstkritik und weniger Eitelkeit hätten bewahren können.

Alexander Marusch inszeniert Was ihr wollt in einer leicht gekürzten Textfassung mit viel Tempo und unter besonderer Beachtung des Witzes. Und den gibt es reichlich, sowohl bei den Personen wie auch in den Szenen. Shakespeares Wortwitz kommt trefflich zur Geltung, insbesondere durch den Narren (hervorragend und sehr vielseitig: Emilia Haag), der als einziger mit einem zwar zeitweilig vom Alkohol getrübten, aber dennoch scharfen Verstand das verrückte Treiben immer wieder scharfzüngig kommentiert. Die Übersetzung von Thomas Brasch passt ebenfalls gut zum Treiben dieser Gesellschaft, die aus den Fugen geraten ist, beherrscht von haltlosen Trieben und wilden Liebesträumen.

Die Rollen sind treffend besetzt, was sicherlich zum Erfolg dieses kurzweiligen und unterhaltsamen Abends beiträgt. Stefan Schleue (Sir Toby) und Peter Waros (Sir Andrew) ergänzen sich kongenial als dümmliche Parasiten in Olivias Haus. Dritter im Bunde ist Fabian (Josia Krug). Johanna Freyja Iacono-Sembritzki spielt überzeugend die Wandlung von der zunächst kühlen Olivia zur intensiv Liebenden. Kathrin Berg glänzt als Viola, Linda Riebau als pfiffige Kammerzofe Maria. Pablo Guaneme Pinilla gibt Orsino recht zurückhaltend, selbst bei seinen wiederholten Versuchen, Olivias Herz mit leidenschaftlichen Briefen zu erobern. Zweifellos einer der bestechendsten Charaktere in diesem Stück des Gefühlswirrwarrs ist Malvolio (Hubertus Brandt) - witzig, vielseitig, höchst unterhaltsam. Er verdient besonderes Lob.

Das überwiegend in Grün und Blau gehaltene Bühnenbild mit vielen Videoeinspielungen - von tosenden Meereswogen und von Aufnahmen, die aus einem tropischen Regenwald stammen könnten, - trägt zum irrealen Charakter der Inszenierung bei. Ebenso wie die für diese Produktion eigens komponierte Musik.

Ein absolut köstlicher und unterhaltsamer Abend - ganz im Sinne Shakespeares.