Übrigens …

Bunbury - Ernst ist das Leben im Schauspiel Essen

„Ernst“ als Name und „ernst“ als Eigenschaft

Das Thema von Bunbury - The Importance of Being Earnest aus der Feder Oscar Wildes, das beste Beispiel für eine Lügenkomödie, ist das Missverhältnis zwischen Sein und Schein. „Der Mensch ist am wenigsten er selber, wenn er in seiner eigenen Person spricht. Man gebe ihm eine Maske, und er wird die Wahrheit sagen“, so Oscar Wilde. Seine „triviale Komödie für ernsthafte Leute“, wie es im Untertitel heißt, unterscheidet sich von allen ähnlichen Komödien der Weltliteratur dadurch, dass das Lügen hier nicht bestraft, sondern belohnt wird. Die ausgedachte Rolle erweist sich am Ende als berechtigt, eine erdichtete Existenz wird Realität.

Oscar Wildes Bunbury wurde 1895 uraufgeführt. Schon in dem Langtitel „Wie wichtig es ist, ernst zu sein“ spiegelt sich die Ironie dieser Verwechslungskomödie im Wortspiel zwischen „Ernst“ als Name und „ernst“ als Eigenschaft. Zwei junge Männer sind befreundet. Jack, ein sozialer Aufsteiger, lebt auf dem Lande und hat, um sich gelegentlich in der Stadt amüsieren zu können, einen dort lebenden Bruder erfunden. Algernon hingegen lebt in der Stadt. Er dachte sich einen auf dem Lande lebenden kranken Freund namens Bunbury aus, den er betreuen muss, um unter diesem Vorwand den Freuden des Landlebens fernab der Familie frönen zu können.

Wildes erfolgreichstes Werk lebt von unwahrscheinlichen Konfusionen, vom schnellen Rollen Wechsel der Personen. Höchst vergnüglich und zugleich entlarvend sind die leicht daherkommenden geistvollen Dialoge, die Jack und Algernon führen. Dahinter steckt jedoch Wildes Kritik an der viktorianischen Gesellschaft mit ihrer übersteigerten Wertschätzung von Rang, Namen und Herkunft. Eingeübtes Rollenspiel wird als oberflächlich und unehrlich gebrandmarkt.

Susanne Lietzow, in Innsbruck geboren, war in Linz und anschließend in Weimar als Schauspielerin und später als Hausregisseurin engagiert. Seit 1999 inszenierte sie unter anderem in Hannover, Dresden und Wien. Im Grillo-Theater kam nun nach Corona-bedingter Zwangspause ihre Inszenierung von Wildes Klassiker Bunbury heraus. Unter den geltenden Sicherheitsbedingungen ist die Anzahl der Zuschauer erheblich reduziert worden, Sie saßen; mit Maske; auf Lücke. Dennoch freute man sich - endlich wieder Theater live.

Zu Beginn sitzt Algernon Montcrieff (Dennis Bodenbinder füllt diese Rolle bestens aus) im seidenen lila Morgenmantel am Klavier und singt Frankies „I did it my way“. Ein großes Chesterfield-Sofa, very British, steht mitten auf der Bühne. Algernon oder Archie lümmelt sich dort und trietzt den Butler Lane (Sven Seeburg) mit Fragen nach den Gurkensandwiches für Lady Bracknell (Ines Krug). Albern wie so mancher Gag an diesem Abend das allzu betonte „Yes,Sir“ von Lane. Als wüsste man nicht, wo das Stück spielt. Zumal die Kostüme - Archie im Schottenrock, sein Freund Jack (sehr gut: Stefan Migge) im groß karierten Anzug - deutlich darauf verweisen. Gwendolen Fairfax (gut als zickige, möchte-gern-emanzipierte junge Frau der höheren Gesellschaft, wenn auch manchmal etwas schrill: Lene Dax) will nur einen Mann heiraten, der Ernst heißt: „Nur mit einem Ernst ist man auf der sicheren Seite.“ Ihre Mutter Lady Bracknell hingegen vertritt die Ansicht: „Eine Verlobung soll für ein junges Mädchen eine Überraschung sein.“ Köstlich, wie Ines Krug diese höchst amüsant boshafte Dame gibt, die nach akzeptablen Heiratskandidaten in der Society sucht und auch Jack inquisitorisch nach seinen Qualitäten als potentieller Ehemann für Gwendolen befragt. Jacks Mündel Cecily Cardew wird von Beatrix Strobel gespielt, manchmal zu exaltiert und zu laut. Was aber wohl der Regie geschuldet ist. So muss sie in einem aufgeblasenen Planschbecken die neckische Badenixe geben. Natürlich stolpert so mancher noch über oder in dieses Becken, Einer der Gags, die nicht hätten sein müssen. Unterhaltsam und oft sehr passend die Songs, die immer wieder das Spiel unterbrechen beziehungsweise ergänzen. So singt Archie „I would do anything for love“, die schüchterne Erzieherin Miss Prism (Janina Sachau) „Everybody loves somebody sometimes“ und am Schluss alle zusammen „Love is in the air“. Gut dazu passend die überdimensional großen Blüten, die die Bühne ausfüllen.

So erlebt man einen Abend, bei dem manche Gags überzogen sind - so hält das Hausmädchen Merriman (Silvia Weiskopf) die Zügel eines nicht sichtbaren Pferdes, das sie sehr oft bändigen muss, an dem man jedoch Wildes Wortwitz durchaus genießen kann. Bühnenbild und Songs ergänzen die Inszenierung vorzüglich.

Das Publikum war begeistert und hörte nicht auf zu klatschen.