Übrigens …

Kleiner Mann - was nun? im Schauspielhaus Düsseldorf

Liebe in Zeiten des Marktes

1932 erscheint Hans Falladas Roman Kleiner Mann - was nun?, in dem die Geschichte des jungen Paares Emma Mörschel, genannt Lämmchen, und Hannes Pinneberg, erzählt wird. Unerwartet kündigt sich Nachwuchs an. Und der „Murkel“, da sind die beiden sich einig, „soll nichts auszustehen haben“. Doch das Leben ist hart in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Anfang der 1930er Jahre grassiert die Inflation und damit die Angst vor der Arbeitslosigkeit und Armut. Auch Hannes Pinneberg (André Kaczmarczyk) verliert seine Stellung in der Provinz. Das junge Paar setzt alles auf eine Karte und zieht nach Berlin - in der Hoffnung, bei Pinnebergs exzentrischer Mutter Mia Arbeit und Unterkunft zu finden, Die Erzählung kreist um die beiden und ihren trotzigen Kampf, ihr kleines Glück in Zeiten von Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichem Abstieg gegen alle Härten des Lebens zu verteidigen.

Hans Fallada (1893-1947) wurde mit seinem Roman weltbekannt. Wie kein anderer hat er den Nerv der Zeit getroffen, die Sorgen und Ängste des „kleinen Mannes“ in Worte gefasst und die - auch heute wieder aktuelle Frage nach der Möglichkeit individuellen Glücks in einer vom Prinzip der Wirtschaftlichkeit dominierten Gesellschaft gestellt.

Regisseur Tilmann Köhler gelang eine mitreißende Inszenierung, da er sich auf drei exzellente Schauspieler verlassen konnte, die problemlos in so manche andere Rolle schlüpfen konnten. So spielt Lena Ruckpaul (Lämmchen) kurz ihre skeptische Mutter, als Hannes ihrer Tochter gerade einen Heiratsantrag gemacht hat: „Mutter ist so. Wen sie am liebsten hat, den schimpft sie am meisten.“ Dann springt sie in die Rolle ihres Vaters, der dem Schwiegersohn vorhält, als Angestellter nicht in der richtigen Gewerkschaft zu sein.

Die Bühne wird von einem riesigen Hamsterrad dominiert, in das Ruckpaul und Kaczmarczyk springen, einmal an den Seiten hochklettern oder einzelne Szenen auf einer kleinen Bühne hinter diesem Rad spielen. Bewundernswert ihre Agilität und Körperbeherrschung. Kaczmarczyk beschreibt die mühsam gefundene Wohnung, die gar nicht Emmas Zustimmung findet. Köstlich, wie er die Vermieterin nachmacht. Sebastian Tessenow ist Jachmann, der halbseidene, in seinen Lackslippern daherkommende, zeitweilige Lebensgefährte von Mia Pinneberg. Er verhilft, nicht ganz uneigennützig, Hannes zu einer Arbeit in Mandels Warenhaus.

Überaus treffend, wie Kaczmarxzyk im Hamsterrad läuft und von der Quote berichtet, die er zu erfüllen hat. Lea Ruckpaul ist eine selbstbewusste, manchmal humorvolle Emma, eine starke Frau trotz all der Widrigkeiten. Immer wieder macht sie ihrem „Jungen“, wie sie Hannes nennt, Mut. Kaczmarczyk verkörpert glaubhaft Pinneberg, der einerseits mit zärtlicher Liebe an seiner Frau hängt, aber ob der vielen Fehlschläge und Misserfolge immer gereizter und ungerechter wird.

Lichtwechsel und musikalische Einspielungen betonen verschiedene Szenen bzw. Lebensabschnitte des Paares.

Ein sehr intensiver, mitreißender Abend, den das Publikum zu Recht mit jubelndem Applaus und Standing Ovations honorierte.