Übrigens …

Kurzer >Lehrgang< für Theaterbesucher im Theater Krefeld

Liebevolles Plädoyer für das Theater

Michael Grosse, Generalintendant des Hauses, präsentiert einen bestechend lebendigen und lehrreichen, aber auch höchst unterhaltsamen Solo-Abend. Thomas Manns Gedanken zum Theater, die ihm vertraut sind und in Vielem seine Sichtweise spiegeln. „Es ist keine antiquierte Nabelschau, sondern ein großes und liebevolles Plädoyer für das Theater als selbstständige Kunst“. Passend: der intime Rahmen der Studiobühne der Kulturfabrik Heeder. Außer einem Stuhl in der Mitte vor der Zuschauertribüne gibt es keine Requisiten. Auch völlig unnötig, reicht es doch vollkommen, wenn Michael Grosse durch Positionswechsel und sparsame Beleuchtung die Texte dieser Textcollage aus fiktionalen, aber auch autobiographischen Passagen präsentiert.
An diesem Solo-Abend schlüpft Michael Grosse in die Rolle des
Dichters Thomas Mann, der ebenso geistreich wie unterhaltsam über das Wesen des Theaters, über die Faszination der Verwandlung und die Kraft der Illusion nachdenkt.

Der kurze >Lehrgang< für Theaterbesucher besteht aus Schriften von Thomas Mann zu den Themen Drama und Literatur. Zusammengestellt von dem Schauspieler und Regisseur Herwart Grosse, vorgetragen von seinem Sohn Michael. Und zwar so hinreißend lebendig, mal witzig, dann wieder nachdenklich, dass die gut 70 Minuten wie im Fluge vergehen.
Zunächst beschreibt Grosse den Auftritt eines „Wunderkindes“, wobei er detailliert die Gedanken des jungen Pianisten wie auch die unterschiedlichen Reaktionen des Publikums beschreibt. Darum geht es immer wieder: Wie sieht Thomas Mann die Schauspieler, was empfinden die Zuschauer?
Dann geht es weiter mit Manns Erinnerungen an seine Kindheit, als er im Kinderzimmer beim Puppentheater zugleich alle Rollen übernahm. Grosse zitiert nicht nur exzellent, Mimik und Körpersprache unterstreichen die verschiedenen Aspekte der Betrachtung der Kunst.
Auch Manns Begeisterung für Wagner kommt zur Sprache, wobei auch hier ironische Seitenhiebe nicht ausbleiben: „Man wallfahrtet zur Gnadenstätte.“ Interessant auch der Text über den Zusammenhang zwischen Theater und Schriftsteller. Wobei der Hinweis, die Theaterbesucher kämen, um die Schauspieler zu sehen, nicht wegen des Dichters, auch heute manchmal zutreffen mag.
Man genießt diesen großartigen Michael Grosse
in jede Minute, seiner unterhaltsame Darstellung, seine pointierte Sprache. Zu Recht langer, stürmischer Beifall.