b.21 im Duesseldorf Oper

Uraufführung van Manen oder Schläpfer?

Diesmal gelang dem Ballett am Rhein nicht der gewohnte "Traumstart" in die neue Saison. Unwegsamkeiten kündigten sich bereits bei der Vorbereitung an: Terence Kohler musste seine Arbeit an One auf Johannes Brahms' 1. Sinfonie abbrechen. Wegen Erkrankung, wie es heißt - ebenso wie 2012 bei Marco Goecke, dessen Lonesome George nun später in dieser Saison in wesentlich weniger illustrem Rahmen zur Uraufführung kommen soll. War Schläpfer 2012 mit den hastig einstudierten Ungarischen Tänze von Brahms aus seiner Mainzer Zeit in die Bresche gesprungen, so ersetzte auch jetzt wieder eine Brahms-Komposition Kohlers One. Freilich ist es nur die vorgezogene Übernahme-Premiere der Symphonie Nr. 2, die in Duisburg helle Begeisterung auslöste und für das Programm b.23 angekündigt ist. In einigen wenigen Positionen verändert, fällt vor allem wieder Paul Calderone mit seiner ätherisch-melancholischen Aura und eleganten Silhouette angenehm auf. Marlúcia do Amarals Solo im Allegro grazioso bleibt in ihrer Biegsamkeit und dem "endlosen" stupenden Rückwärts-auf Spitze-Trippeln ein staunenswerter Hingucker. Der drahtige Neuzugang Rashaen Arts macht eine gute Figur. Choreografische Details - wie die an der Rampe aufgereihten Badeentchen (nein, wirklich keine kleinen weißen Schwäne!) - wirken eher albern. Aber dieses "liebliche Ungeheuer" des schwerblütigen norddeutschen Komponisten, von den Düsseldorfer Symphonikern unter Jochem Hochstenbach allzu devot "tänzerfreundlich" intoniert, klang bei der Premiere doch recht hölzern.

Ganz besonders gespannt war man natürlich auf die erste neue Choreografie von Hans van Manen seit zwanzig Jahren, zumal Martin Schläpfer und Marlúcia do Amaral sie aus der Taufe heben sollten. Hatten sie nicht gerade noch als The Old Man and Me hinreißend den vielleicht anrührendsten van Manen-Pas de deux getanzt? Aber so recht den unverwechselhaften Stempel eines van Manen-Meisterwerks trägt dieser Alltag nun nicht. Kaum 20 Minuten dauern die Grübeleien eines Choreografen mit Stuhl und Muse. Durchsetzt sind sie mit kurzen Sequenzen aus eigenen Balletten von Schläpfer, vorzüglich getanzt von Doris Becker und Alexandre Simões, und geprägt viel mehr von dessen eigener überbordend temperamentvoller, eigensinniger choreografischer Handschrift als van Manens stringent-strenger Eleganz. So blieb nur mehr der Eindruck einer Petitesse unter Freunden, die sich im höflichen Schlussapplaus des Premierenpublikums ausführlich umarmten.

Ganz und gar reine Freude bot der Auftakt mit George Balanchines Serenade auf Tschaikowskys Komposition für Streicher - sozusagen ein "Dacapo by popular demand", der das Ballett am Rhein womöglich noch reifer und versierter in Balanchines neoklassischer Virtuosität zeigte als bei der ersten Aufführung hier 2010.