Schumann.Strings im Detmold, Landestheater

Einsamkeit und Zweisamkeit

Studierende der Hochschule für Musik und das Ballettensemble des Landestheaters Detmold gehen beim ersten Tanzabend der Saison eine perfekte Allianz ein im idealen Ambiente des Sommertheaters am Rande der beschaulichen ost-westfälischen Residenzstadt. Auf einem Podest seitlich der ersten Zuschauerreihen über dem abgedeckten Orchestergraben sitzen die vier jungen Musiker des Arminio Quartetts und spielen konzentriert und einfühlsam Schumanns drei Streichquartette opus 41. Vor allem Cellist Jonas Gaube lässt immer wieder mit berückendem Klang und weicher Kantilene aufhorchen.

Auf der Bühne entfaltet sich zu den zwölf Kammermusiksätzen ein Dutzend kleiner Szenen - abwechselnd solistisch, als Duett, Terzett oder auch in der ganzen Gruppe der fünf Paare. Ein Mosaik menschlicher Befindlichkeiten entsteht aus den getanzten Miniaturen. Choreograf Richard Lowe geht es um Einsamkeit und Zweisamkeit, Isolation und Partnerschaft, Kontemplation in der Stille und ausgelassene Fröhlichkeit im Freundeskreis. Getanzt wird erst in Modern Dance-Technik in Schläppchen, später von den Damen auch auf Spitze. Trippeln und Arabesken in meistens nur kurzen Passagen wirken nicht immer allzu elegant. Dabei wäre der klassische Spitzentanz für diese Choreografie gar nicht nötig. Die Leichtigkeit von Flirt und Koketterie bringen die Tänzerinnen durch Gestik und Mimik ohnehin gut zum Ausdruck. Die Herren in spanischem Aufzug - verwegener Schlapphut, schwarzer Dreiteiler über rotem Hemd - protzen gekonnt machomäßig mit hohen Sprüngen und eindrucksvoller Attacke. Betonen die Damen im ersten Teil in cremefarbenen (Unter-)Kleidern und mit wehenden Haaren ihre zarte Weiblichkeit, so lassen sie im zweiten Teil ihrer Feierlaune freien Lauf mit eleganten Hochfrisuren und in roten Ballkleidern, die Zalando pünktlich zum Pausenende in den Kulissen abgibt, wo sie mit dem unverzichtbaren Glücksschrei begrüßt werden - sehr zur Erheiterung der Zuschauerinnen. Der hellblaue Rückprospekt (Ausstattung: Heiko Mönnich) wird durch einen riesigen Türrahmen unterteilt. Von dessen oberer Kante baumeln kopfüber filigrane Metall- Gartenstühle, wie sie auch von den Tänzern spielerisch besetzt, über die Bühne gezogen und geschwungen werden.

Eine Handlung - etwa wie die angedeutete Schubert-Biografie bei dem nicht unähnlichen Chopin-Schubert-Abend Lachen und Weinen von Robert North am Theater Krefeld und Mönchengladbach - ist nicht erkennbar und auch nicht gewollt. Aber Heiterkeit und Traurigkeit sind auch hier deutlich spürbar, und die Harmonie von Klang und Bewegung kommt sehr reizvoll zur Geltung. Das Publikum zeigte sich sehr angetan.