Cinderella im Detmold, Landestheater

Getanzter Märchenspaß

Warum nicht einfach mal wieder ins Theater gehen, um sich gut zu unterhalten, romantisch zu träumen und zu genießen!? Richard Lowe und seine winzige Ballettkompanie am Landestheater Detmold machen's möglich mit dem Prokofjew-Ballett Cinderella, das Lowe vor elf Jahren hier schon ganz ähnlich einstudierte. Mit nur acht Tänzern und drei Statisten (als ulkige Lakaien) klappt das überraschend gut. Nur beim Ball auf dem Schloss mangelt es deutlich an Gästen „aus aller Welt“. Auch bleibt Leerlauf nicht aus, wenn immer wieder dieselben Akteure die markige Musik des Russen von 1945 vertanzen sollen. Da kriegen sich der Prinz (Narcís Subatella Sánchez) und sein Freund (Marc Balló y Cateura) reichlich oft in die Haare, wobei sie immerhin mit gekonnten Kontaktimprovisationen und viel Akrobatik prunken können. Ein Höhepunkt ist in jeder Inszenierung dieser Aschenputtel-Geschichte der Ritt auf der Suche nach der Besitzerin des verlorenen Schuhs. Auch das schrille Dreigestirn Stiefmutter (natürlich ein Mann: Gaëtan Chailly) und deren Töchter (Karina Campos Sabas, Caroline Lusken) darf seine klamaukigen Possen immer wieder reißen. Wirklich witzig die sprichwörtliche Tugend aus der Not: alle drei wechseln ihre Identität, um eine derbe russische Babuschka mit Kopftuch, eine japanische Geisha mit Fächer und eine verschleierte Scheherazade zu mimen, die alle den Ballettschuh anprobieren.

Eine ätherisch schöne Fee im flatternden Fetzenkleid (und buckelige Hexe unter grauem Cape) tanzt Charline Pinxteren-Dujardin. Jérôme Peytour darf als (neu erfundenes) „Faktotum“ im Hause - wie stets - mit hohen, weiten Sprüngen imponieren und Cinderella anschmachten. Die ist in der Tat der entzückende Mittelpunkt. Isabella Heymann ist wie geschaffen für die Rolle: bildschön, liebenswert, aber durchaus nicht auf den Kopf gefallen. So gelingt es ihr, für den weinseligen Vater aus dem Zimmer der älteren Stiefschwester eine Flasche Roten zu stibitzen, und beim Ball auf dem Schloss wehrt sie resolut die plumpen Avancen des vermeintlichen Prinzen ab (die beiden jungen Männer tauschten bereits zu Beginn des Balletts die Rollen, was gelegentlich etwas verwirrend ist). 

Sexy und fetzig geht's zu im Haus der Patchworkfamilie. Dass der Vater aber alles andere als die Schlafmütze ist, die er anfangs noch zum Schlafmantel trägt, zeigt sich auf dem Schloss: flugs macht er sich an die Mutter des Prinzen (Gisela Fontarnau i Galea) heran, führt sie alsbald heim und verjagt das schrille Damen-Trio. Dass das Märchen mit - nein, nicht dem obligatorischen Kuss, aber wenigstens einer innigen Umarmung der Liebenden endet, war zu erwarten. Und wenn sie nicht....

Das Symphonische Orchester des Landestheaters kommt den Tänzern sehr entgegen. Die Ausstattung von Petra Mollérus wirkt mit stilisierten Bilderbuchblümchen auf den gemalten Bäumen und bunten Streifen über den Rahmen der vielen Türen, die ständig auf und zu gehen, recht altmodisch. Auch das Ballkleid für Cinderella ist allzu bieder, fast matronenhaft: grünes Top mit Schärpe, dazu ein kurzer weißer Glockenrock. Köstlich dagegen sind die fantasievollen Outfits der drei Stief-Damen gelungen.

Ballettdirektor Richard Lowe hält die heikle Balance zwischen Märchenballett und Soapopera-Parodie. So darf ein Klassiker der Moderne auch mal daherkommen. Tauglich für Zuschauer von 6 bis weit über 66 Jahren.