Zwischen Freiheit und Abhängigkeit
„Freiheit heißt auch, sich seine Abhängigkeiten selbst wählen zu dürfen", befindet der österreichische Dichter Ernst Ferstl. Zitate wie dieses und zeitlose Lebensweisheiten durchziehen die neue Produktion des Düsseldorfer Theater der Klänge wie ein roter Faden. Projiziert auf die Rückwand aus fünf schlichten Stoff-Elementen für Auftritte und Abgänge, stützen sie die kleinen Szenen und Soli der Choreografie Kontraste von Jacqueline Fischer, der langjährigen Tänzerin der freien Gruppe. Nicht nur verschiedenste Nationen, sondern auch Künstler unterschiedlicher Genres treffen dabei zusammen. Die Sopranistin Barbara Schachtner - erst im Dirndl stimmlos, dann im langen Schwarzen kultiviert singend - trägt Vers für Vers das Gedicht „Alles ist eitel" von Andreas Gryphius vor in der Vertonung von J. U. Lensing, dem Komponisten des Abends und Künstlerischen Leiter des Theaters. Puzzleteile aus grüner Plastikfolie fügt die recht streng wirkende, hochgewachsene Deutsche an einander, schiebt sie hier- und dorthin. Aber das Bild will nicht gelingen. Immerhin bilden schließlich sechs Segmente den Erdkreis.
Großstadt- und Alltagslärm kontrastieren mit Vogelzwitschern. In charakteristischer heimischer Tracht oder Aufmachung gewähren die Tänzerinnen und Tänzer Einblicke in die Folklore ihrer Heimat: die gebürtige Chilenin Camila Scholtbach, die in Griechenland aufgewachsene Phaedra Pisimisi, der Japaner Yuta Hamaguchi und der Irrwisch-fixe Kongolese Arnoud Samba Nkassa. Die temperamentvolle amerikanische Schauspielerin Ilya Parteneau stürmt als Cowgirl auf die Bühne - stellt dann aber eine junge Frau dar, die an fortschreitender Multiple Sklerose leidet und sich nach und nach mit immer weniger Bewegungsfreiheit abfindet - in heroischer Weise, bis hin zum Rollstuhlduett mit Phaedra Pisimisi.
Es geht um die heute so viel beschworenen Kontraste in Einzelschicksalen, allen Lebensbereichen und zwischen den Kulturen, aber auch um die für manche unerfüllbaren Anforderungen in unserer Gesellschaft. Kontraste ist eine aufwändige Produktion. So unterhaltsam einige Szene überkommen, der kurze Abend leidet dennoch insgesamt unter allzu vielen Klischees und manchem Leerlauf.