Circ...us im Theater Münster

In der Arena des Lebens

„Wir sind alle ungefragt in die Arena dieses Zirkus namens Leben geworfen worden..... und versuchen, unsere bestmögliche Vorstellung zu geben." So blumig kann nur ein Theatervollblut wie Operntenor Rolando Villazon menschliche Existenz definieren. Münsters Tanztheaterchef Hans Henning Paar greift die These auf für seine hinreißende kleine Zirkus-Show mit 12 Clowns.

Das Publikum sitzt im Rund um die rot ausgekleidete Manege, unter der es sich schon vor Beginn wölbt und regt. Kaum ist das Licht im Raum verlöscht, zieht ein Loch in der Arena das Tuch in die Versenkung. Ein Dutzend Clowns erwacht bei flotten, motorisch rhythmischen Zirkusklängen zu mimisch grandios untermalten Marionettentänzen. Lachen und Weinen, Fragen und Staunen zaubern die Körperkünstler zu den bizarren Bewegungen auf ihre Gesichter. Individualität ist Trumpf.

Soli und Duette skizzieren Gedanken, Gefühle und zwischenmenschliche Beziehungen. Zirzensische Kunststücke dominieren. Da werden Grenzen des Ensembles sichtbar. Aber der Unterhaltungswert, die unprätentiöse Mühe und sympathische Ausstrahlung der Tanzenden im Zusammenspiel mit dem Kontakt zu den Zuschauern überspielen mühelos gelegentliche Leerläufe und nicht ganz so virtuose Akte.

Raffinierte Ästhetik entsteht in androgynen und homosexuellen Szenen - besonders gelungen in dem Frauenduett mit Kana Mabuchi und Melanie López López oder bei den Männern Tri Thanh Pham und Alessio Sanna. Zu den Highlights zählen auch ein langes Solo von Ako Nakanome als Conchita-Mother Goose, unter deren Krinoline Jason Franklin nach witzigen, beeindruckenden Hebeaktionen hervorkrabbelt. Poesie blitzt immer wieder auf - insbesondere in einer Nummer mit der zierlichen Maria Bayarri Pérez mit neun glasklaren Luftballons.

Die zirzensisch pfiffigen Klamotten mit Karos, Streifen, Punkten, Glitzer und Glamour in schwarz und weiß von Bernhard Niechotz zitieren aktuelle Modetrends. Schwarze Pappnasen, wie Sonnenbrillen in die Frisuren geschoben, deuten die clowneske Melancholie an und riesige, laszive rote Lippen Sex und Sinnlichkeit.

Wie sehr Pina Bauschs Tanztheater zum Handwerk heutiger Choreografen gehört, zeigt auch die Verwendung des Mikrofons für stöhnende, kreischende und wispernde stimmliche Hintergrundgeräusche. Elizabeth Knowles profiliert sich einmal mehr als hysterische Diva mit emotionsgeladenen Tiraden.

Paars Circ...us kitzelt das Beste aus allen individuellen Talenten seiner Ensemblemitglieder und begeisterte das Premierenpublikum mit diesem unterhaltsamen, originellen Beitrag zum allgegenwärtigen Favoriten aller Bühnen-Artisten und -Entertainer.