Shadowland 2 im Philharmonie Köln

Als Schatten in fremde Welten

Acht Personen, in nivellierende Overalls gesteckt, stapeln Kartons, setzen sie um, fügen sie zu neu zusammen. Das ist, wenn auch höchst verkünstelt, stupide Fließbandarbeit - und Ausgangspunkt des neuen Programms Shadowland 2 der 1971 gegründeten US-Truppe „Pilobolus Dance Theatre“ aus Connecticut, die bereits in 30 Ländern Erfolge feierte.

Das „Pilobolus“ ein Tanztheater zu nennen, dürfte zumindest missverständlich sein. Es geht um Schattentheater; um die Kunst, mit Licht, Leinwand und Schatten die Welt zu verzaubern. Das gelingt dem Oktett oft mitreißend – in einzelnen Bildern. Was fehlt, ist ein innerer Zusammenhang dieser rasanten, phantasiegesättigten und traumhaften Bilder.

Einer der Kartons erblüht aus diesem Stumpfsinn zu eigenem Leben. Er läuft, wohin der sich auch immer bewegt, Fess, einem der Arbeiter, wie ein Hündchen hinterher. Die Fantastik kann beginnen. Und weil zuvor allen verboten worden war, einen der Kartons zu öffnen, tut Fess genau das. Und zwar mit seiner Freundin und Gefährtin. Das Wunderliche geschieht. Das eigenwillige Paar entdeckt darin einen kleinen Strauß, der sie von nun an, erst als Baby, dann als Jugendlicher und Erwachsener, durch die Welten der Fantasie begleiten wird.

Damit beginnt auch die traumwandlerische Bild-Sicherheit der Truppe. Das Paar und der Strauß, dessen langer Hals und Schnabel nichts anderes als Arm, Hand und Finger eines der Tänzer ist, durchfliegen auf ihrem Weg durchs All der Zukunft gefährliche und liebliche Welten. Bremsend wirken in diesem Fantasie-Sog die oft eingefügten realen Schauspielszenen, die nie die Qualität des Schattenspuks erreichen. Schade drum. Denn was die Truppe leisten kann, bliebe sie konsequent dem Schattenspiel verhaftet, ließ ausgerechnet die Zugabe in Köln erkennen. Das war ungetrübtes Spiel mit Licht und Dunkelheit, die grandiose Schatten auf der Leinwand werfen.

Mit stehenden Ovationen dankte das Publikum den Gästen aus den USA, die ihre Shadowland 2-Produktion übrigens vor einem Jahr in Berlin uraufführten.