Bach, immortalis im Theater Münster

Auf der Suche nach Ahnen

Münsters Tanzchef Hans Henning Paar hat sich mit seinem Ensemble auf die „Suche nach Ahnen“ begeben. Wie nah der Barockgigant Johann Sebastian Bach unserer Zeit ist mit seiner Kunst, entdeckten für den Tanz ja schon vor Jahrzehnten Hans van Manen und John Neumeier. Mit seiner inzwischen legendären und noch immer präsenten Choreografie auf Bachs Matthäuspassion" knüpfte Neumeier an die sakrale Tanzkunst der Jesuiten an und zelebrierte sie (zunächst) in der Hamburger Michaeliskirche. Hans van Manen dagegen analysierte Bachs profane Kompositionen und übertrug dessen strenge, klare, geometrische Kompositionstechnik in Raum- und Bewegungskompositionen von superber, geradezu asketischer, hochvirtuoser Ästhetik.     

Paar bedient sich an Bachs ebenso umfangreichem und vielfältigen musikalischen Werk viel weniger gezielt. Er ist nüchterner Realist, bleibt ganz nah am Puls unserer Zeit und schöpft alle Möglichkeiten jetziger Theaterrealität aus. Seine Musikwahl bietet Häppchen aus so bekannten Werken wie den Brandenburgischen Konzerten, Orchestersuiten und Solopartiten, zitiert mit einer Arie und einer Passacaglia die Kirchenmusik und schlägt ostentativ die Brücke ins Heute durch die eigens für diesen Abend komponierten Reflexionen über B-A-A-C-H-H vom Dirigenten des auf kammermusikalische Dimension reduzierten Sinfonieorchesters Thorsten Schmid-Kapfenburg.

Die elfköpfige Truppe tanzt in Alltagsklamotten und mit eigenem „Kopfschmuck" von Glatze bis Pferdeschwanz einen Mix aus allerlei Techniken zwischen Modern und Street Dance. Alle dürfen ihr Bestes zum Besten geben. Wie der Embryo zum krabbelnden, dann gehenden Menschlein wird - das hat wenig Folgen. Der individuelle Lebensweg wird in der Menge verschluckt.

Paar bietet mit seinem Programm eine Vielfalt von Themen und Formaten an. Das Münstersche Publikum liebt ihn und sein Ensemble dafür.