Festival africologne in Köln vom 12. – 22. Juni 2013

von Dietmar Zimmermann

Zum Theater nach Ouagadougou? – Klingt sexy, ist aber ein bisschen unbequem. In der burkinabeischen Hauptstadt finden alle zwei Jahre die Récréâtrales, eines der größten Theaterfestivals im frankophonen Afrika, statt. In den „theaterfreien“ Jahren gibt es stattdessen ein Filmfestival.

Köln erspart Ihnen die (lohnende!) Reise nach Westafrika. Köln nimmt sich Ouagadougou zum Vorbild, wie Gerhardt Haag, Leiter des Theaters im Bauturm Köln und künstlerischer Leiter des in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindenden Festivals africologne, bei der Vorstellung des Festival-Programms am 25. April schmunzelnd mitteilte: In den ungeraden Jahren wird regelmäßig afrikanisches Theater in Köln gezeigt, und in den geraden Jahren organisiert FilmInitiativ Köln ein afrikanisches Filmfestival.

Die zweite Auflage des im Jahre 2011 aus der Taufe gehobenen Festivals ist nicht nur vom Umfang her gewachsen, sondern sie ist auch dezidiert spartenübergreifend. Es gibt Musik, Tanz, szenische Lesungen und Publikumsdiskussionen; FilmInitiativ Köln zeigt eine Reihe afrikanischer Filme, u. a. mit einer besonderen cineastischen Hommage an Dani und Sotigui Kouyaté, und das Café Bauturm präsentiert in einer Ausstellung die burkinabeische Künstlerin Suzanne Ouedraogo. Dr. Michael Bornmann, Mitglied der Geschäftsführung der DEG Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, der in der Pressekonferenz einen Scheck in Höhe von € 15.000,- als Beitrag zur Finanzierung des Festivals überreichte, wies außerdem auf die sich thematisch ideal einfügende und ebenfalls von der DEG geförderte Ausstellung im Rautenstrauch-Joest-Museum mit Fotografien des bekannten Modefotografen Albert Watson zum Thema 14 Days in Benin hin, die der Initiative Cotton made in Africa zugute kommt (ab 28. April 2013).

Vom 12. – 22. Juni 2013 zeigt africologne neun verschiedene Theaterproduktionen im Theater im Bauturm, an der studiobühne Köln, in der Alten Feuerwache und im Rautenstrauch-Joest-Museum. Bereits zwei Tage nach der Uraufführung präsentiert das Theater im Bauturm Jean Hamado Tiemtorés Inszenierung von M’appel Mohamed Ali, ein Solo-Stück von Dieudonné Niangouna. Der Kongolese Niangouna ist einer der Shooting Stars der westafrikanischen Theater- und Kunstszene und steht exemplarisch für die Vielfalt und das Spartenübergreifende der Aktivitäten heutiger afrikanischer Künstler. Er ist Schauspieler, Dramatiker und Leiter und Kurator eines eigenen Festivals in Brazzaville. Sein Stück basiert auf der ungewöhnlichen Lebensgeschichte der Boxlegende Muhammad Ali und thematisiert den Kampf: Jeder, der in Afrika lebt, muss ein Kämpfer sein wie Cassius Clay, um zu überleben und Erfolg zu haben. Er muss Widerstand leisten, Schicksalsschläge erleiden und überwinden, einen eigenen Weg finden und zu Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten kommen. – Der Schauspieler Etienne Minoungou ist wie der Autor des Stückes Schauspieler und Regisseur, Dramatiker und Kurator: Er ist Gründer und Leiter des Uraufführungsfestivals Récréâtrales in Burkina Faso.

Die Lebensgeschichte eines der bemerkenswertesten und fortschrittlichsten Präsidenten des Landes Burkina Faso, des Revolutionärs Thomas Sankara, thematisiert die Inszenierung des Schweizer Theatermachers Luzius Heydrich Von einem, der auszog, die Revolution zu lernen, einer Kooperation mit dem Theater im Bauturm. Im Anschluss an die Aufführungen zeigt FilmInitiativ Köln einen Dokumentarfilm über Sankara.

Ein „hinreißendes Schauspiel“ verspricht uns Gerhardt Haag im Rautenstrauch-Joest-Museum, wo die burkinabeische Compagnie Falinga in einer Europa-Premiere La Danseuse de l’eau (Die Tänzerin des Wassers) zeigt, eine alte Fabel mit viel Musik, die ein modernes Thema verhandelt: die Privatisierung von Wasser und die ungerechte Verteilung der natürlichen Ressourcen auf der Erde. 

Als Koproduktion des Theaters im Bauturm mit der Compagnie Falinga und den Récréâtrales zeigt der Regisseur Dani Kouyaté, Sohn des vor zwei Jahren verstorbenen großen afrikanischen Schauspielers und Ensemble-Mitglieds bei mancher Peter-Brook-Produktion Sotigui Kouyaté, Wilfried N’Sondés Ombres d’Espoir (Schatten der Hoffnung) mit einem gemischten deutsch-afrikanischem Ensemble. Auf deutscher Seite spielt in dem Drama um eine schwierige Dreiecksbeziehung und den Kampf um eine Aufenthaltsgenehmigung in Europa u. a. Karin Kettling, die wir schon am Schauspiel Köln und an anderen renommierten Bühnen bewundern durften.

 Festival africologne