Ein guter Rat ist immer schnell zur Hand
Jan Neumann nimmt in seiner turbulenten Familienkomödie die verschiedensten Konflikte bzw. Meinungsverschiedenheiten, die sich in jeder Familie ergeben können, wie jeder aus eigener Erfahrung weiß, klug und mit viel Humor aufs Korn. Da ist Lia (Anna Lisa Hohl), die gleich zu Beginn ihrer Familie und ihrem Freund Tom mitteilt, dass sie schwanger ist. Höchst vergnüglich die unterschiedlichen Reaktionen. Große Freude, aber auch schon bestehende Konflikte werden sichtbar. Da sind die Eltern Bernd (Stefan Schleue) und Kerstin (Hergard Engert): Bernd hat eigentlich nur ein Hauptinteresse – die Sanierung des Hauses, während seine Frau besorgt ist, dass alles so läuft, wie es immer war. Sie haben drei Töchter. Da ist die kinderlose Anne (Katrin Hauptmann), die mit einer Saskia liiert ist. Und stets gute Erziehungsratschläge parat hat. Tochter Jule (ebenfalls Katrin Hauptmann) ist verheiratet mit Arne (Benjamin Schardt). Sie haben vier Kinder. Arne kann es nicht lassen, Tom (Anton Löwe), der nicht so recht glücklich über die frohe Botschaft ist, über die neuen, ihm bevorstehenden Daseinshärten zu informieren.
Leonard Dick gelang eine überaus kluge und zugleich unterhaltsameInszenierung, die uns eine Familie zeigt, in der man trotz aller Meinungsverschiedenheiten einander auch zuhört. Viel von den heftigen Gefühlsausbrüchen wird durch Bewegung dargestellt. Schon zu Beginn tanzen die Schauspieler in unifarbenen Ganzkörperkostümen zu immer lauter werdender Musik umeinander herum. Als einziges Bühnenrequisit dient ein überdimensional großes, rundes Gestell aus Metall mit einem Loch in der Mitte (zeitweilig als Teich zu interpretieren). Lia tritt zu Beginn mit einer Torte auf dem Kopf auf, was köstlich aussieht. Das bzw. ihre Schwangerschaft hindert sie keineswegs daran, ständig mit ihrem Produzenten zu telefonieren. Ist sie doch eine eigenständige Filmemacherin, die einen Dokumentarfilm über Hebammen machen will. Ihre Schwester Julezeigt sich als vierfache Mutter überfordert. Bösartig, witzig ihr Kuhkostüm mit vorgeschnalltem Euter. Mutter Kerstin beschreibt, wie auch sie ihre beruflichen Träume wegen der Kinder aufgeben musste. Tom, der gar nicht Vater werden wollte, sieht sich von allen Seiten mit guten Tipps bombardiert. Aber auch er hat genaue Vorstellungen, was für ihn zu tun ist: „Studium, Geld verdienen, Pilot werden.“ Lia bürstet alle seine Vorschläge mit der Bemerkung „Das Leben ist kein Punkteplan“ einfach ab. Da zu der Handlung auch ein Kindergeburtstag gehört, gibt es viele originelle, fantasievolle Kostüme, die zu den unterhaltsamen Aspekten des Abends beitragen. Höhepunkt ist die Geburt von Lias Kind am Heiligen Abend.
Ein höchst vergnüglicher, aber keineswegs oberflächlicher Abend, warmherzig und witzig. Voll der fantastischen Einfälle und mit einem hervorragenden Ensemble.
Jubelnder Applaus und Standing Ovations zu Recht bei der Premiere. „Theatre at its best!“